Pressespiegel 2013


... die Jazztage 2013 im Spiegel der Presse


Sächsische Zeitung vom 18. Mai 2013

Am Mittwoch starten die Görlitzer Jazztage

Das Programm lässt an Vielfalt nichts zu wünschen übrig. Die weiteste Anreise hat eine Band aus Übersee.

Foto: PR
Wer genau hinschaut, kann erkennen, dass es bei „Fusionator“ auch martialisch zugehen kann. Die polnische Band bildet am Sonnabend (25. März) gemeinsam mit Stargeiger Adam Baldych den Auftakt auf dem Fischmarkt. Foto: PR

Nun schon zum 18. Mal finden die Görlitzer Jazztage in der kommenden Woche statt. Den Organisatoren vom Kulturzuschlag e. V. ist es erneut gelungen, ein farbenreiches, hochklassiges Programm zusammenzustellen. Den Auftakt am Mittwoch, ab 20 Uhr, gibt es wieder an einem „Unerhörtem Ort“. Gespielt wird in einer leerstehenden alten Fabrik (ehemals „Zigarrenfabrik H. Hecker“) im Hinterhof der Biesnitzer Straße 81, die nur für diesen einen Abend zum Jazzclub wird. jazz, bei dem die Funken sprühen, wird für die Band Nicole jo angekündigt. Die unwiderstehliche Saxoptimistin Nicole Johänntgen gibt immer Vollgas. Sie ist auch das „Cover-Girl“ des Festivals, ihr Porträt prangt auf vielen Plakaten.

Am Freitag und Sonnabend kommender Woche folgen traditionell auf dem Fischmarkt die beiden Hauptkonzerte. Die Organisatoren hatten nach den Jazztagen des vergangenen Jahres versprochen, den „Dreierschlag“, also drei Auftritte pro Abend, beizubehalten. Auch, um dem Nachwuchs weiterhin eine Bühne und Vielfalt bieten zu können. Sie haben Wort gehalten. Der Auftakt am Freitag, 20 Uhr, bildet der Jugend-jazzt Preisträger „„moment's kon.cept“. Ihr folgt internationale Spitzenklasse - die New Yorker Band „The Bad Plus, die zwischen Auftritten in Zürich, Hamburg und Amsterdam nach Görlitz kommt. Sie gilt als „härteste Versuchung seit Erfindung des Klaviertrios“. Eine ganz andere Musikrichtung bietet zum Abschluss die deutsche Band Bahamasoulclub mit Frontfrau Pat Appleton. Sie wird karibische Rhythmen und soulige Lässigkeit miteinander verbinden.

Mindestens genauso bunt wird es am Sonnabend. Um 20 Uhr beginnt der Dreierschlag mit „Fusionator feat. Adam Baldych“ aus Polen. Ein halbes Jahrhundert nach der Entstehung der Spielart Fusion Werfen sich die Herren mit Elan in die Mischung aus Rock und Jazz. Kein Geringerer als Adam Baldych, der neue Violinen-Stern am europäischen Jazz-Himmel, gibt sich an der Neiße die Ehre. Er war übrigens vor drei Jahren schon einmal da. Es folgt ein weiterer Aufsteiger, Matthias Bublath mit Band, der Shootingstar der Münchner Szene, der zuvor sieben Jahre lang durch die hatte New Yorker Jazzszene gegangen war. Den Abschluss auf dem Fischmarkt bildet die spanisch-kubanische Band „Tinglao Fusion Band“ aus Zaragossa, die eine furiose Mixtur aus Latin-Jazz und modernem Jazzrock auf die Bühne bringt. Wer danach noch nicht genug hat, kann in die Vierradenmühle weiterziehen, wo die Akteure des Abends ab 1 Uhr eine Jamsession geben.

Am Sonntag (26. Mai), ab 19.30 Uhr, schließen die Jazztage in Görlitz und Umgebung mit dem Alexandra Lehmler Quintett, die in der Kulturscheune am Barockschloss in Königshain Musik zum Träumen, mit dem Saxofon in der Hauptrolle, bietet.


Sächsische Zeitung vom 21. Mai 2013

Morgen beginnen die Jazztage

Kulturzuschlag hat wieder einige europaweit bekannte Musiker eingeladen. Das beeindruckt auch andere Festivals

Foto: Nikolai Schmidt
Claudia Lohmann und Friedemahn Dreßler haben den „Unerhörten Ort“ für den Auftakt des Jazzfests schon vorbereitet. Morgen spieIt hier die Saxofonfistin Nicole Jo. Foto: Nikolai Schmidt

VoN INES EIFLER

Eine ehemalige Tabakfabrik in der Biesnitzer Straße hat Friedemann Dreßler diesmal aufgespürt. Mit Säulen, Parkett und großen Fenstern, durch die bis zum Abend Sonnenlicht flutet. Kein morbider Industriebrachencharme, sondern verblichene 70er-jahre-Ästhetik mit originalen DDR-Tapeten. Dieser Saal ist der „Unerhörte Ort“ der diesjährigen Görlitzer Jazztage. Traditionell lässt der Verein Kulturzuschlag sein Festival in einem für Konzerte ungewöhnlichen Raum beginnen. Diesmal also in einem Hinterhaus der Südstadt. Am Mittwoch spielt hier die Saxofonistin Nicole jo, die schon seit Wochen überall in der Stadt von den Plakaten aus für das Jazzfest wirbt. Friedemann Dreßler versichert: „Die Musik ist offensiv und geht in die Beine.“ Deshalb soll das Publikum auf dem Parkett unbedingt auch tanzen.

Nicole jo steht am Anfang einer ganzen Reihe erstklassiger Musiker, die Kulturzuschlag für die Jazztage gebucht hat. Da ist auch das viel gelobte Klaviertrio The Bad Plus aus New York, das zwischen Konzerten in Zürich, Hamburg und Amsterdam in Görlitz Halt macht, einen Workshop veranstaltet und auf dem Fischmarkt spielt. Da ist der junge polnische Geiger Adam Baldych, der vor drei jahren schon mal hier war und nun laut Dreßler als „neuer Stern am europäischen jazzhimmel“ gilt. Da ist die spanisch-kubanische Tinglao Fusion Band, die gemeinsam mit dem Bahama- soulclub ziemlich viel Latin in das diesjährige Fest bringt. Und da ist die Luxemburgische Band Largo, die eine Woche später im Bad Muskauer Pückler-Park spielt, eines von diesmal drei Konzerten der jazztage außerhalb von Görlitz.

Es ist schon erstaunlich, was der kleine siebenköpfige Verein Kulturzuschlag zum mittlerweile 18. Mal für ein hochwertiges Festival auf die Beine stellt. Trotz immer wieder aufwendiger Sponsorensuche und Fördermittelakquise. Obwohl die Firma Hess wegen ihrer Insolvenz in diesem Jahr als Unterstützer weggefallen ist. Und obwohl Zuwendungen wie etwa die 10 000 Euro vom Kulturraum zwar zugesagt sind, aber als Bescheid noch nicht vorliegen. Damit ist langfristige Planungssicherheit eher ein Fremdwort.

Dem Jazz fehlt die Lobby

Diese Sorgen kennt natürlich fast jeder Kulturveranstalter, erst recht im jazz. Auch Steffen Tempel, der für die Zittauer Hillersche Villa den Mandaujazz im Herbst organisiert, sagt, die Finanzierung sei in jedem Jahr neu Thema und es sei wohl das Los jedes Kulturmachers, sich mit der Sponsorensuche herumzuschlagen.

Auch die großen Jazzfestivals wie die Dresdner und die Leipziger Jazztage beklagen eine fehlende Lobby, ungenügende Medienpräsenz und zu wenig Würdigung des Jazz. Kilian Forster, Intendant der Dresdner Jazztage, sagt, die Förderung von klassischer Musik stehe in keinem Verhältnis zu der des Jazz. Er wünsche sich deshalb eine bessere Vernetzung aller jazzveranstalter, um etwa bei Politikern um mehr Unterstützung werben zu können. Genauso möchte auch Stefan Heilig,Veranstalter der Leipziger Jazztage, einen regeren Austausch in der jazzszene. Aber für echte Lobbyarbeit und eine gute Pflege der Kontakte untereinander fehle "leider die Zeit.

So sieht das auch Friedemann Dreßler. Eine Lobby sei natürlich immer gut und wichtig, aber nebenberuflich komme man nicht dazu, sich mit Politikern oder Leuten aus der Wirtschaft zu treffen. Sponsorenakquise sei unheimlich. zeitaufwendig. Auch eine stärkere Vernetzung der Szene könne nur hilfreich sein. Kulturzuschlag habe zu verschiedensten jazzveranstaltern Kontakt, aber eine echte Kooperation mit anderen Festivals sei eigentlich nur sinnvoll, wenn sie zur gleichen Zeit stattfinden. Dann könnte man die gleichen Bands buchen und so Reisekosten sparen. Aber da die meisten Feste im Herbst stattfinden, komme für so etwas nur der Elbjazz in Hamburg infrage, aber der habe ein Millionen-Etat. „Da wären wir mit unseren 35 000 Euro ein ungleicher Partner.“

Welche Musiker Kulturzuschlag aber dafür nach Görlitz holt, wissen durchaus auch die größeren, professionell organisierten Festivals zu schätzen. Kilian Forster aus Dresden sagt: „Wir nehmen die Görlitzer nicht nur wahr, wir kennen uns auch gut.“ Eine enge Kooperation wie etwa mit dem Mandaujazz in Zittau gebe es allerdings nicht. Unterstützen die Dresdner dort die Programmgestaltung mit, so dass manche Bands im Herbst sowohl in Dresden als auch in Zittau spielen, arbeite das Görlitzer Team sehr eigenständig. Stefan Heilig aus Leipzig bezeichnet die Görlitzer jazztage als „kleines, feines, sympathisches Festival“, mit dem er in Kontakt sei, aber nicht intensiv. In seinen Newslettern weise er auf das Fest hin, das sei selbstverständlich, und auch die Flyer lege er aus. Da der junge Geiger Adam Baldych jetzt in Görlitz spiele, überlege er sogar, am nächsten Wochenende zum Fischmarkt zu kommen.

Die Görlitzer selbst sind sich natürlich auch der Qualität ihrer jazztage bewusst. Friedemann Dreßler sagt, er erlebe immer wieder, dass zufällige Görlitzbesucher erstaunt sind, was hier für Bands spielen und vor allem, zu welchem „Spottpreis“.


Sächsische Zeitung vom 24. Mai 2013

Foto: Nikolai Schmidt

Töne voller Leidenschaft

Folkloristische Ausflüge in zerklüftete Balkan-Melismatik, Gospelballaden, Groove, Swing und energetische Ausbrüche in explosive Free-]azz-Sphären erklangen zum Auftakt zu den Görlitzer Jazztagen. Schließlich spielte die Band „Nicole Jo mit Saxophonistin Nicole johänntgen (Foto). Heute, 20 Uhr, ist beim Fischmarkt-Open-Air das Zwickauer Trio KON.trust zu erleben. jeder der Musiker lebt dabei seine Vorlieben und bewegt sich doch im Habitat der gemeinsamen Soundvorstellung. Nach den Zwickauern tritt das US-amerikanische Star-Trio The Bad Plus auf.

Foto: Nikolai Schmidt


Sächsische Zeitung vom 27. Mai 2013

Und trotzdem stimmt der Groove

Die Görlitzer jazztage begeistern trotz Regen und viel Konkurrenz mit Open Air Konzerten

Foto: Nikolai Schmidt
Frotz Kälte machten es sich viele Jazzfans an zwei Abenden auf dem Fischmarkt gemütiich. Immerhin: Es blieb trocken. Und schön waren die Jazztage sowieso. Foto: Nikolai Schmidt

So viel Konkurrenz war selten für die Görlitzer Jazztage: Fußball-Endspiel im Fernsehen und auf Großleinwand im Rosenhof, Matthias Reim in der Brauerei, Opernpremiere im Theater. Nur das schlechte Wetter war eigentlich schon ein alter Bekannter für den Kulturzuschlag-Verein, der das Festival in diesem jahr zum 18. Mal organisiert hat - und am kommenden Wochenende noch zwei Konzerte in Bad Muskau und in Horka auf dem Programm hat.

Doch trotz der Kälte und dem Regen waren die beiden Hauptkonzerte am Freitag und Sonnabend auf dem Fischmarkt recht gut besucht. Über die vielen Jahre hinweg hat sich ein treuer Publikumsstamm herausgebildet, resümiert Vereinschef Friedemann Dreßler. Schlagerrocker Matthias Reim konnte sich im Hof der Landskron Brauerei wie gewünscht über viele Frauen im Publikum freuen, die den „Verdammt-ich-lieb-dich“-Sänger anhimmelten. Etwa 200 Männer, vorwiegend Dortmund-Fans, erlebten im Rosenhof das Champions-League-Finale zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München - und am Ende jubelte dann doch nur die Minderheit der Gäste. Mancher Fußballfan zog sich am Sonnabend trotz allem lieber einen feinen Anzug an und erlebte große Gefühle ganz anderer Art: Mit „Figaros Hochzeit“ von Mozart spielte sich das Musiktheater wieder ins Publikumsherz.

Ein politisches Kunststück wagten vor allem junge Görlitzer bei einem „Flashmob“, einer spontanen Zusammenrottung, auf der Altstadtbrücke. Sie zeichneten blitzschnell muntere Männchen auf den Asphalt und demonstrierten so, dass Europa mit seinen Brücken zwischen den Völkern doch eine schöne Sache ist. (SZ/fs)