Pressespiegel 2000


... die Jazztage 2000 im Spiegel der Presse


Sächsische Zeitung vom 29. Mai 2000

Görlitz. Latin - Jazz wurde angekündigt, und tausende Besucher aus ganz Ostsachsen kamen auf den Görlitzer-Untermarkt. Trotz Ballett-Premiere im Theater und festlichem Treiben am Neißeufer - die Jazztage gingen als eindeutiger Punktsieger hervor. Lediglich in den frühen Nachmittagsstunden hätten es ein paar Besucher mehr sein können. Die Mitglieder von „Les Barbecues” aus Frankreich müssen sich beispielsweise am Sonntag recht verloren vorgekommen sein. In den Abendstunden hätte man jedoch die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen keinesfalls gefunden, der Untermarkt war bis auf den letzten Platz gefüllt. Geboten wurde Jazz vom Feinsten - zuweilen zwar etwas laut und deftig, immer aber mit tollem Sound. Ob Latin-Jazz mit der „Gabriel Justo Perez Band” oder Traditionals mit „Keith Smith & Hefty Jazz”: Die Gäste der Jazztage durften sich durchaus gut unterhalten fühlen. Insgesamt 15 Bands aus mehreren Ländern gaben ihr Bestes, um den Jazz in Görlitz noch populärer zu machen. Doch das ist eigentlich gar nicht mehr nötig, denn das Jazzfestival hat in der Neißestadt mittlerweile einen hohen Stellenwert und ist fest im Görlitzer Kultursommer verankert. Deshalb darf man schon jetzt gespannt sein auf die Fortsetzung dieser heran wachsenden Tradition. Denn auch im nächsten Jahr soll es am letzten Mai- Wochenende wieder - heißen: Auf zu den Jazztagen auf dem Görlitzer Untermarkt. 
Frank-Uwe Michel


Sächsische Zeitung vom 29. Mai 2000

Von Andre Schulze

Vor Beginn der Nachmittagstermine am Sonnabend donnerte sich drohend eine schwarze Wand heran, und pünktlich um 15 Uhr begann es dann auch zu regnen. Der musikalische Rundgang „StadtRaumKlang” mit der Gruppe „Reedstorm” durch die Historische Altstadt musste nach drei Stationen abgebrochen werden. Begeisterung litt nicht unterm Regen Auch „Les Barbecues” aus Frankreich hatte sich auf das Spiel im Freien vorbereitet, im Innenhof des „Alten Theaters” auf der Neißstraße. Von den Fluten nach drinnen gezwungen, entfalteten die sechs Musiker aus Amiens dennoch das volle Potenzial des Dixie-Jazz vor einem rundum begeisterten Publikum. Etwas versteckt war der Auftritt der God's Black Sheeps” im Museum Neißstraße 30. Eigentlich war er als separates Benefizkonzert des Fördervereins zur Erhaltung des Flügelaltars „Goldene Maria” der Dreifaltigkeitskirche geplant und dann in das Programm der Jazztage eingebaut worden. Im Vorfeld wurde dafür auch die Dreifaltigkeitskirche als Veranstaltungsort genannt. Doch weder die Veranstalter der Jazztage noch der Förderverein wussten, warum die Kirche nicht mehr zur Verfügung gestellt wurde. Der Stimmung im Barocksaal des Museums tat das keinen Abbruch. Zwar waren die Dresdener Studenten der „Schwarzen Schafe” zwischen den Säulen nicht an gut zu sehen, dafür aber um so besser zu hören. Ihr vielstimmiges Gospelprogramm in Verbindung mit instrumentaler Klassik-Begleitung, qualitativ einer der Höhepunkte des Festivals, wäre auch auf der großen Bühne angemessen gewesen. Wie auch schon am Vorabend die „Vocaleros”, die dort zu viert stimmlich mit dem Jazz jonglierten. In dieser Reihe zu nennen sind auch noch die Leadsängerin der „Jazz Connection” und „A-Nama Ria” von „Hip Walk”, mit Haaren wie ein Wirbelsturm, die beide stimmgewaltig über den Untermarkt kamen. Doch Schwerpunkt war in diesem Jahr der Latin. In populären Formen wie Ricky Martin macht er sich gerade in den Charta breit. Grund genug für die Veranstalter von Kulturzuschlag e. V., das auch als Thema für ihr Festival aufzugreifen. Hervoragend haben diese Entscheidung zum Beispiel die Gruppe „Sabor Tropical” und die „Gabriel Justo Perez Band” umgesetzt. Mit letzterem wurde auch ein neues Instrument in die Jazztage eingeführt: Perez' Improvisationen auf der Querflöte werden zu recht hoch gepriesen. Der Engländer Keith „Mr. Hefty” Smith schließlich vertrat den traditonellen und klassischen Jazz. Exzellente Musiker und große Vielfalt Immer wieder ist es faszinierend zu sehen, wie die Bands aus den verschiedensten Kulturen und Nationalitäten zusammengewürfelt sind. In mancher Gruppe kommt jedes Mitglied aus einem anderen Land, und sie alle verbindet die Musik. Alles in allem wurde auch das Klischee des langweiligen Opa-Jazz wieder ad absurdum geführt. Landskron Jazztage in Görlitz, das hieß auch im Jahr 2000: Exzellente Musiker, große Vielfalt und Partystimmung garantiert. Insgesamt über 10 000 Besucher wussten das zu schätzen. Bis zum nächsten letzten Mai-Wochenende ...


südost, Mai 2000

Die Landskron Jazztage 2000

vom 25. - 28. Mai in Görlitz

Am letzten Mai-Wochenende starten die Landskron Jazztage nun schon zur fünften Wiederkehr. In der Gruppe langjähriger traditionsreicher Jazz-Festivals mag es daher als „das Kleine” gelten. Und eben deshalb kramt das Fünfjährige auch 2000 wieder so unbekümmert in allen Schubladen, worin Musikexperten diverse Stilrichtungen des Jazz zu separieren bestrebt sind. Frisch und unkonventionell fördern die Landskron Jazztage manch wertvolle Fundsache zu Tage. Vielfalt, musikalische Qualität und Spielfreude ist der Anspruch der Veranstalter bei allem was Jazz ist. 30 Stunden Live-Musik beleben den historischen Stadtkern und die etwa 8.000 Besucher, die zum Mai- End erwartet werden, können für einen Spottpreis dabei sein! Fast alle Bands kommen dem Besucher für schlappe 18,00 DM (Wochenendticket) zu Gehör. Dies gelingt auch dank Unterstützung des örtlichen Lecker-Bier-Erzeugers (siehe Titel), einer durchaus kulturambitionierten Privatbrauerei. Neu sind bei den 5. Landskron-Jazztagen die Intermezzi: Noch weit nach Mitternacht blasen Jazzer zur Spätschicht in Kellern, Clubs und Kneipen. Samstagnachmittag bietet ein Jazzcafe Plätze im Renaissance-Hof. Gleichzeitig entführen vier Musiker Interessenten auf einen saxophon- gestützten Rundgang durch Stadt und Raum. Am Sonntag können Kinder selbst Jazz-Experimente wagen. Abfahrt für die Tropical- Tram ist Samstag 11.00 Uhr. Was die elf internationalen Fahrgäste hier auf die Schiene bringen, ist Latino- Jazz auf Rädern. Auch hier entgleist das letzte Vorurteil vom Jazz als Stimmungskühler. Lateinamerikanisch klingen die Landskron Jazztage in drei ganz unterschiedlichen Variationen. Hat Buena Vista Social Club den kubanischen Alt-Stars ein Millionenpublikum eröffnet, bietet Görlitz eine Bühne für alte und neue Fusionen mit Musik aus dem karibischen Raum. Freunden des Dixieland wird ein Name zum Magnet: Keith Smith. Der routinierte Trompeter kommt aus England mit einer Hommage des unsterblichen Louis Armstrong. Musikalische Brücken zu den Partnerstädten Amiens und Wiesbaden sowie ins polnische Breslau schlagen erfolgreiche Bands dieser Herkunft. Zufall, dass dabei der Swing eindrucksvoll sein weltweites Comeback demonstriert. Den Auftritt für groovige Grenzgänger des Jazz gibt's nachts nach Elf- eine Offerte für die Jahrgänge '80 + X. Klassische Brückenschläge kommen in bewährter Form bereits am Donnerstagabend in der Peterskirche zu Gehör. Während eines Benefizkonzertes in der Dreifaltigkeitskirche erklingen Gospel-Variationen. Alles in allem sind die Landskron Jazztage Görlitz dabei, das erfrischendste Musik-Wochenende im Frühling 2000 zu werden. Dabeisein überzeugt. Genaue Termine entnehmen Sie bitte dem Tacho.

Von Friedmann Dreßler, Kulturzuschlaq e.V.