Pressespiegel 2001 - Jazztage Görlitz

Pressespiegel 2001


... die Jazztage 2001 im Spiegel der Presse


Sächsische Zeitung vom 25.05.2001

Jazzklänge aus dem Theater 

Mit dem Nadja-Schubert-Quartett am Mittwochabend begann das Musikspektakel in Görlitz 

Von Frank Fischer 

Zur Eröffnung der 6. Landskron Jazztage in Görlitz hätte sich wohl auch Friedemann Dreßler etwas mehr Publikum gewünscht. So begrüßte er am Abend auf der Bühne des Stadttheaters nur 53 Besucher. Doch das Mitglied vom Kulturzuschlag e.V. nahm es gelassen und sprach von einem exklusiven Kreis, der sich hier versammelt hat. „Um die Jazztage noch vielseitiger zu machen” so Friedemann Dreßler, „wollen wir diesmal auch Musik anbieten, die zu sensibel ist und zu viel Konzentration erfordert, um sie auf einer Open-Air-Bühne stattfinden zu lassen.” Den Beweis trat wenig später das Nadja-Schubert-Quartett im Görlitzer Theater an. Was die 30-jährige Nürnbergerin auf ihrem Flöteninstrumentarium zelebrierte, waren unbeschreiblich nuancenreiche Tonbilder voller Poesie, Leidenschaft und Temperament. Ihre Palette an Flöten umfasste die Metallsopran-Blockflöte, die harmonische Blockflöte in Alt- und Tenorlage, die Kontrabass-Blockflöte, das Gemshorn und die Okarina. Mit Niels Tegen (Piano), Sascha Delbrauck (Kontrabass) und Roland Höpper (Schlagzeug) hatte Nadja Schubert Musiker an ihrer Seite, die ihre Instrumente ebenfalls virtuos beherrschten und für manche schweißtreibende Soloeinlage Szenenapplaus bekamen. Das Programm umfasste eine Mischung aus Standards von Chick Corea oder Egberto Gismonti, Arrangements bekannter Volksmusik und Eigenkompositionen von Sascha Delbrauck. Die Vorliebe für lateinamerikanische Musik war nicht zu überhören und auch nicht der Swing, der im zunehmenden Maße zum Bestandteil lateinamerikanischer Rhythmen geworden ist. Die zierliche Frau hat ihre Zuneigung für die Flöte schon als Kind entdeckt. „Dieses Instrument ist handlich, überall mit hinzunehmen und vielleicht auch die graue Maus unter den Klangkörpern. Aber gerade das hat mich an der Flöte so fasziniert”, erklärt sie und fügt hinzu: „Sie ermöglicht mir, Gefühle auszuleben und zu vermitteln und sich auch an der Kunst der Improvisation auszuprobieren”. Diese Liebe führte sie zu einen Studium für Blockflöte an die Kölner Musikhochschule, anschließend unter anderem als Solistin zum Kölner Kammerorchester und dreimal zum 1. Bundespreis bei „Jugend musiziert”. Auch durch Funk- und Fernsehaufnahmen sowie zahlreiche CD-Produktionen hat sie sich bei Insidern der Jazzszene einen Namen gemacht. Für Nadja Schubert und ihre Band war es die erste Begegnung in Görlitz. Diese hinterließ bei der Flötistin Spuren. „Mich hat die ursprüngliche Atmosphäre in dieser Stadt berührt. Auch Köln hat ja viel Historie zu bieten, aber die verblasst mir im geschäftlichen Wirbel drum herum zu sehr. Hier findet man noch Gelegenheit, eine Altstadt und ihre Menschen in Ruhe auf sich einwirken zu lassen. Menschen, die uns sehr herzlich aufgenommen und über alles Sehenswerte dieser Stadt Auskunft gegeben haben”. Jazzklänge gab es am Mittwochabend auch auf dem Untermarkt zu hören. Dort stellten sich „Two Hot feat - Wolfgang Torkler” dem Görlitzer Publikum vor. Mit einer Musik, die auf rhythmisch aggressive Performancen setzt und die Zuhörer auch ohne das Glas Bier oder den Schoppen Wein in Stimmung brachte. Für Gerd und Anita ein tolles Gefühl, sich unter freiem Himmel so unerwartet jazzig auf den Feiertag einzustimmen. „Unser Altstadtbummel war reiner Zufall, und erst als uns auf der Weberstraße die Musik entgegen kam, erinnerten wir uns an den Beginn der Jazztage.”


Sächsische Zeitung vom 06.04.2001

Jazzfest mit Zuschlag: vier Tage Live-Musik 
Jazz- Legende Maynard Ferguson kommt nach Görlitz 

Von Frank Seibel 

Erstmal kommt Ostern. Dann der 1. Mai. Doch Friedemann Dressler und Reinhard Schubert sind in Gedanken schon beim nächsten Feiertag. Der 23. Mai ist für Sie nicht Himmelfahrt, nicht Herrentag, sondern „Jazztag”. Zum sechsten Mal organisiert der Verein „Kulturzuschlag” die Landskron-Jazztage, die mittlerweile zu den 15 größten Festivals in Deutschland zählen. Alles Routine, könnten die Sprecher des Vereins sagen. Und doch ist dieses Mal einiges anders. Vor allem: länger. Wegen des Feiertages am Donnerstag dauert das Jazzfest diesmal vier Tage -plus einen Eröffnungsabend. Und schon der wird es in sich haben.

Unter dem Motto „Jazz spezial” ist ein besonders anspruchsvoller Auftakt geplant. Die Blockflötistin Nadja Schubert aus Köln verlässt mit ihrem Quartett die Basis der Klassik-Ausbildung und wagt sich vor in die Sphären von Bebop und Latinjazz. Zurzeit suchen die Organisatoren noch einen angemessenen Ort zum Zuhören. Der lockere Einstieg in die Jazztage 2001 folgt mit einer Kneipen- und Clubnacht im Stadtzentrum. Der Schwerpunkt freilich wird auch in diesem Jahr wieder unter freiem Himmel stattfinden. Bevor der Untermarkt aufgerissen und neu gestaltet wird, gehört er noch einmal den Jazz-Fans.

Die bekanntesten Stars des Festivals sind diesmal für den Himmelfahrtstag gebucht. Mit der Blues-Sängerin Jeanne Caroll und dem Trompeter Maynard Ferguson haben sich zwei Künstler angekündigt, die seit Jahrzehnten schon mit schreiben an der Jazz-Geschichte. Der 1928 in Montreal geborene Ferguson hat sich mit mehr als 60 Alben seinen Platz in den Jazz-Annalen gesichert.

Der Nachmittag gehört an Himmelfahrt ganz den Kindern. Angelika Mann, die langjährige Partnerin von Reinhard „Lacky” Lakomy, stellt mit Rumpelstil ihr Programm „Max in Mexiko” vor. 

Zur Grenzüberschreitung tragen in diesem Jahr nicht nur amerikanische Musiker bei, sondern auch Jazzer aus der französischen Partnerstadt Amiens und aus Krakau.

Die Leute vom Kulturzuschlag-Verein zeigen sich ganz zuversichtlich, dass die Jazztage in diesem Jahr wieder ein großes Publikum finden. Trotz der Feiertage und wegen der Feiertage. Denn auch wenn mancher Görlitzer die Stadt an diesem langen Wochenende verlassen sollte - viele Gäste von außerhalb werden zum Kurzurlaub an der Neiße erwartet. Allein ein großes Jahrgangs-Treffen am Gymnasium Augustum lockt vermutlich einige hundert Besucher an. Und die können zwischen Anekdoten von früher ja mal dem Jazz ein Ohr leihen.