Pressespiegel 2002 - Jazztage Görlitz

Pressespiegel 2002


... die Jazztage 2002 im Spiegel der Presse


Sächsische Zeitung vom 30. Mai 2002

Super Musik 
Sechs Euro, die sich auch für Jugendliche gelohnt haben 

Sonnabend auf dem Fischmarkt. Wer kurz nach 19 Uhr da war, hatte noch Chancen auf einen wirklich guten Sitzplatz vor der Bühne. Schon eine Stunde später mussten sich die Gäste mit einem Stehplatz begnügen, denn der Fischmarkt war brechend voll. Ein bunter Generationsmix hatte sich da zusammengefunden, denn auch einige Jugendliche hatten ihr Taschengeld geopfert, um mal einen etwas anderen Sonnabendabend zu verbringen. Obwohl schon vorher viel über die relativ hohen Preise für die Jazztage gemurrt wurde, konnten wir uns doch überwinden, sechs Euro auszugeben (viel weniger bezahlt man übrigens auch bei einem Kinobesuch nicht). Die Stimmung war von Anfang an ausgezeichnet, woran auch der gnädige Wettergott seinen Anteil hatte. Das Publikum belohnte die Künstler nach jedem Solo mit spontanem Beifall. Die mitreißende Wirkung der Musik äußerte sich überall in wippenden Füßen und im Takt trommelnden Händen. Man merkte bei allen Beteiligten, dass Spaß an der Sache und dem gemeinsamen Erlebnis da war. Da haben die Veranstalter ein wirklich tolles Event auf die Beine gestellt. Weniger lobenswert war, dass die Security am Eingang mal wieder alle Getränke einsammelte. Dass Glasflaschen eine Gefahr darstellen, ist ja noch nachvollziehbar. Aber warum ist es nötig, einem Jugendlichen seine Wasserflasche aus Plastik abzunehmen? Darin sehe ich nur eine Unterstützung der Gastronomen auf dem Festgelände, denn ich glaube nicht, dass die Veranstalter davon ausgehen, dass das Publikum mit seinen Getränken nach den Künstlern werfen würde. Darüber sollten die Veranstalter schon mal nachdenken. Solche Maßnahmen sichern wohl weniger Gäste und Künstler, sondern mehr die Kasse der Kneiper. Das kleine Ärgernis haben wir aber schnell wieder vergessen, denn die ersten Takte der Musik rissen uns mit. Bis nachts, um 24 Uhr, jazzte es auf dem Fischmarkt, und wer danach noch immer nicht genug hatte, konnte im Vogtshof oder im Cafe am Flüsterbogen fröhlich weiterfeiern.  Anne


Sächsische Zeitung vom 27. Mai 2002

Jazzklänge an der Neiße
THW baut Pontonbrücke auf
Mit guter Musik aus Wiesbaden und Turow wird der Mai mit viel Sonne doch noch zum Wonnemonat und zieht viele Gäste an die Neiße. 
Von Rene Tzschoppe 

Sitzplätze schnell vergeben
Das Publikum ist begeistert von der Atmosphäre auf dem Fischmarkt

Zwei tolle Jazztage auf dem Fischmarkt, ein verregneter und deshalb nicht so ganz so gut besuchter Sonntag, ein begeistertes Publikum und ein ausgewogener Musikmix, das war die Bilanz der Veranstalter der Görlitzer Jazztage.

Von Frank Fischer

Einfach dabei sein, sehen und gesehen werden, miteinander reden und lachen, sich einfangen lassen, von einer Musik, die ins Blut geht. All das und noch viel mehr verwebte sich zu jener Volksfeststimmung, bei der selbst notorische Nörgler und Pessimisten zugeben müssen - Görlitz lebt. Schuld daran waren am Wochenende die Görlitzer Jazztage mit ihrem vortrefflich gewählten Austragungsort. Die Initiatoren vom Kulturzuschlag e. V. versuchten es mit dem Fischmarkt als Ausweichquartier für die Baustelle Untermarkt und haben damit ins Schwarze getroffen. Das Terrain offenbarte sich als Ideallösung, bei der alles familiärer, übersichtlicher und tontechnisch perfekter zuging. Auf den Bänken war am Sonnabend schon frühzeitig kaum noch ein Platz zu finden, und auch die anderen Sitzgelegenheiten waren gegen 21 Uhr so ziemlich vergeben. Auf dem Steinrondell rund um die beiden Eichenbäume hockten Studenten und Schüler eng beieinander. Und wer partout keinen Bock aufs Stehen hatte, der versuchte es sich auf dem Fußboden so bequem wie möglich einzurichten. Der Sonnabend wurde zum Treff der Generationen, bei dem die fünfjährige Enkeltochter brav neben ihrem Opa saß, Kinder die Tanzfläche zum Spielplatz umfunktionierten, manches Liebespärchen seinen Gefühlen freien Lauf ließ und Altersunterschiede sowieso keine Rolle spielren, um miteinander Geselligkeit zu haben. Getränke vom Mineralwasser bis zu den hochprozentigen Durstlöschern flossen in Strömen, und auch an den Imbissständen wurde Umsatz gemacht. Während eine Studentin den Rotwein gleich aus der Flasche trank und ihren Freundinnen versprach, „da ist bis Mitternacht kein Tropfen mehr drin”, jonglieren zwei Herren in jeder Hand vier Gläser Bier auf ihren Platz. Zu den vielen Besuchern, die schon am Freitag vom Auftakt der Jazztage begeistert und deshalb wiedergekommen waren, gehören auch Susanne und Randolf Buchwald. „Man muss kein Jazzfan sein, um bei diesem Musikmix in Stimmung zu kommen”, erklärten sie übereinstimmend. Zudem könne man bei der Lautstärke auch noch sein eigenes Wort verstehen. „Über Eintrittspreise redet man nicht, wenn die Veranstaltung ihr Geld wert ist”, meinte ein älteres Ehepaar. Und ein Besucher aus Wernigerode hielt das künstlerische Niveau der Veranstaltung für absolute Spitze, weil der Variationsreichtum der Jazzmusik groß war und ein Live-Erlebnis. Neben gestandenen Jazzgrößen (Pascal von Wroblewsky) bekamen am Sonnabend auch Nachwuchstalente (Martin Le Jeune) ihr Podium. Und alle Formationen ließen sich von der Bilderbuchatmosphäre - viel Publikum, tolle Stimmung - zu schweißtreibenden Höchstleistungen anspornen. Diese Eindrücke ließen sich, trotz weniger Publikum und Regen, auch am Sonntag nicht verwischen. Man darf gespannt sein, ob der Fischmarkt nach seiner tollen Standortpremiere für zukünftige Jazztage zum Stammplatz wird.


Sächsische Zeitung vom 25./26.Mai 2002

Eröffnung der Görlitzer Jazztage im kleinen Publikumskreis

Die Görlitzer Jazztage sind eröffnet. Diesmal mit Jazz an der Sonnenorgel. Ein beeindruckender Auftakt für die siebente Auflage dieses musikalischen Highlights der Neißestadt erlebten die Besucher der Peterskirche am Donnerstag.

Von Frank Fischer

Kirchenmusikdirektor Reinhard Seeliger übernimmt selbst die Begrüßung der Besucher. Vom Veranstalter Kulturzuschlag e.V. ist kein bekanntes Gesicht zu entdecken. Auch Hans-Martin Limberg, der Star dieses Abends, der voriges Jahr mit dem Saxofon bei den Jazztagen zu Gast war, schüttelt mit dem Kopf. Der in Münster wohnende Musiker ist diesmal an der Orgel zu Gast. Er stellt einem kleinen Publikumskreis seine jazzinspirierten Eigenkompositionen vor. Limberg geht variationsreich mit Tasten, Manualen und Pedalen um. „Ich möchte eine neue Stilrichtung kreieren, bei der sich die rhythmischen Elemente des Jazz auch auf der Orgel voll entfalten können”, formuliert er seinen Herzenswunsch und fährt dabei mit einer streichelnden Handbewegung über die Tastatur. Das Instrument besitze einen singenden Sound und Power, der für sein Konzert wie geschaffen sei, lobt er die Orgel.

Sein Konzert trägt den Titel „Dancing Pipes” (Tanzende Orgelpfeifen) und begeistert durch ein faszinierendes Wechselspiel von Rhythmen und Harmonien. Der Organist entlockt dem Instrument bei „Rondo furioso”, „Africana”, „Spirit walk”, „Sternenmelodie” oder „Rhythm of time” Klangschattierungen, die vom flüsternden Adagio bis zum opulenten Tutti reichten. Limberg lässt sich von der Meditation über das Wechselspiel der Gezeiten und des Lichts ebenso inspirieren, wie von heiligen Dingen, Buschtrommeln in Afrika, von Wortspielereien, der Beobachtung des Himmels, wo ihm die Wolkenbildung als faszinierendes Schauspiel der Natur begegnet. „Diese Beobachtungen haben zwar ihre Grenzen, aber grenzenlos sind die Möglichkeiten, dafür eine neue und musikalische Beschreibung zu finden”, formuliert er. Seit über zehn Jahren feilt Hans-Martin Limberg an der neuen Stilrichtung und nutzt dafür alle Präsentationsmöglichkeiten. Dazu gehören Filmmusiken für den WDR, Kompositionen für Orgel, Chor, Orgel und Saxofon sowie für das Klavier.

Seit 1986 ist der musikalische Entertainer als freischaffender Künstler für seine Vision unterwegs. Konzerttourneen führen ihn auf internationale Bühnen, bei Rundfunk- und Fernsehauftritten zu einem Millionenpublikum und beim Aufbau. Und nicht zuletzt hinterlässt er seine musikalische Handschrift als Leiter von Jazzensembles verschiedener Stilrichtungen. Unlängst überzeugte Limberg beim 1. Internationalen Jazz- Churchorgan- Wettbewerb in Hannover so namhafte Jazzgrößen wie Barbara Dennerlein oder Jasper van t' Hof.

Mit Reinhard Seeliger wollte er noch darüber sprechen, ob er seine Discografie mit einer CD-Aufnahme an der Sonnenorgel erweitern kann.


Sächsische Zeitung vom 28.02.2002

Barfuß klingt es nicht 
Zur Eröffnung der Görlitzer Jazztage verwandelten fünf Bands die Hefefabrik in unerhörte Orte 
Von Matthias Nicko 

Endlich im Trocknen! 
Trikolaus aus Berlin haben es vom durchnässten Keller in die im Parterre der Hefefabrik gelegene "Alkoholkolonne" geschafft. Nun könnte man meinen, dass sie dort schon wieder nicht auf dem Trockenen sitzen. Aber doch: Sie tun es. Stocknüchtern starten die Freunde des tanzbaren Funk ihren Soundcheck. Minuten vorher hatte es im Keller derart stark durch das undichte Holzdielendach geregnet, dass für die drei Jungs ans Musikmachen nicht zu denken war. Hier oben, direkt unter einem Gitterrost, heißt es nun "one, two, three, four" - und gleich werden die Trikoläuse auch den ersten ihrer zwei jeweils 45 Minuten langen Konzertblöcke anzählen. Aber nicht nur in Bezug auf das Wetter verlangen die am Sonntag eröffneten Görlitzer Jazztage Improvisation, wissen Reinhard Schubert und Friedemann Dreßler vom Veranstalter Kulturzuschlag e.V. Ebenso gelte dies für die Finanzierung des Programms. Immerhin treten in der stillgelegten Fabrik an der Bautzener Straße an diesem Nachmittag vier Bands und eine Künstlerin auf.

Tanz auf dem Xytophon und Alphorn in der Ebene 
Letztere ist Ania Losinger. Ihr Domizil befindet sich in der zweiten Etage der bislang unerhörten Industriebrache. Die Schweizerin betanzt ein Bodenxylophon. "Barfuß klingt es nicht", sagt sie, und verweist statt dessen auf die Holzabsätze ihrer schwarzen Schuhe, mit denen sie dem Instrument Töne entlockt. Aber auch mit einem Dutzend Stäbe bringt das Berner Bewegungstalent das Xylophon zum Schwingen. Stäbe, die die Musikerin zum Teil sogar überragen. Zeitversetzt sind im Eingangsbereich der Hefefabrik - neben einem überdimensionierten Maischekessel - Landsleute von Anja Losinger an der Reihe. Das By-Spiel Project beschallt mit einem bis auf den Boden reichenden Alphorn und dem Didgeridoo der australischen Ureinwohner den Raum. Die gewöhnungsbedürftigen dumpfen Töne animieren die etwa 150 Zuhörer zu Szenenapplaus. Draußen im "Teegarten", wo Sonne und Regen einander abwechseln, lässt es mancher ruhiger angehen und probiert von den in Rosmarin und Meersalz gebackenen Kartoffeln. Zurück in der Fabrik haben Zatora zu Tenorsaxophon und Klavier gegriffen. Vor unverputzten Wänden tauchen sie eines der Zwischengeschosse in einen Hort der Melancholie. Die elektronischen Beats, die das unablässig auf einen Monitor blickende Bandmitglied Bine Stietz dem Computer entlockt, verstärken die Stimmung. Dann und wann gewinnt die getragene Musik aber an Fahrt und das Publikum wippt ausgelassen mit. Das gilt auch für Karin Stichel, die soeben noch Ania Losingers "Asthetik des Körpers" bewundert hat. Ähnlich kunstvoll kommen die Fotos und Collagen daher, die Andreas, Daniela und Danny zwischen Rohren und Eisentreppen aufgehängt haben. Die selbst ernannten "Stadtkinder", Studenten aus Dresden, präsentieren Bilder von Neubauten und anderen "urbanen Stadtansichten".

Am Freitag geht es weiter auf dem Fischmarkt 
Derweil spielen die fünf Musikensembles - unter ihnen die Big Band Company aus Görlitz, die für Rhythm Combinätions & Sax um den Brasilianer Rogerio Leao in die Bresche gesprungen ist - bis in den Abend. Am Freitag finden die Jazztage ihre Fortsetzung. Unter anderem mit Lyambiko, einer von drei Gruppen, die ab 19.30 Uhr auf der Open-Air-Bühne am Fischmarkt s(w)ingen. Das handverlesene Quartett um seine weltweit gefeierte Front frau lässt die Blütezeit des Jazz, die 40er und 50er Jahre, auferstehen. Außerdem laden ab Mitternacht Clubkonzerte ins "Lucie Schulte" und die "Maus".