Pressespiegel 2004


... die Jazztage 2004 im Spiegel der Presse


Sächsische Zeitung vom 7. Juni 2004

Frauen-Power bringt Publikum zum Tanzen
Der Fischmarkt hat sich für das Jazz-Festival zum festen Veranstaltungsort entwickelt

Ausgezeichnete Bands und ein tolles Publikum haben Stimmung auf den Fischmarkt gebracht. Die neunten Jazztage waren erneut ein Höhepunkt im Musikleben.

Paul Brody schmettert die Trompete. Er biegt sich nach hinten. Der amerikanische Kopf der Band stampft mit dem Fuß. Das Publikum feiert ihn. Dann wendet er sich um, zeigt den Musikern, sie sollen leiser spielen. „Sing weiter”, gibt er Anweisungen an die Sängerin Sanam. Dann greift er wieder zur Trompete. Das Publikum steht. So klingen die Jazztage auf dem Fischmarkt am Sonnabend langsam aus.

Von Rene Tzschoppe


Sächsische Zeitung vom Juni 2004

Paul Brody
Mit Halleffekten und Klangteppichen kommt der amerikanische Trompeter Paul Brody (Mitte) mit seinen Musikern auf die Bühne und lässt das Publikum oft rocken - unterstützt von der Sängerin Sanam. (Foto: Rolf Ullmann)

Der Startschuss für die Jazztage fiel außerhalb des Fischmarktes. Freitag Punkt 16 Uhr war hektisches Treiben in der Volks- und Raiffeisenbank auf dem Marienplatz. Die Gäste hatten sich in der Halle eingefunden, während die Musiker der Leipziger Band Chelesta noch die letzten Vorbereitungen trafen. Das war noch nicht richtig so: Drei der Musiker schnappten ihre Instrumente und fuhren mit dem Fahrstuhl in die obere Etage. Das Publikum trottete wieder in die Sonne. „Die Musiker sollen zunächst vom Balkon der Bank spielen”, erklärte Matthias Brendel vom Verein Kulturzuschlag, dem Veranstalter der Jazztage. Paar Minuten später schmetterten drei Bläser kernigen Jazz in Richtung dicken Turm.

Die Besucher blickten nach oben. „Lässt sich schwer fotografieren”, meinte ein Herr aus Stendal mit leicht berlinerischem Dialekt, der wegen der Jazztage extra in die Neißestadt gekommen war. „Ich bin das erste Mal hier”, sagte er und war von der Idee begeistert. „Den Gedanken haben wir schon länger, dass von den Görlitzer Balkons über die Plätze Musik erklingen soll”, ergänzte Brendel. Dann ziehen wieder alle in das Gebäude.

Karibische Klänge aus München und Österreich
Der musikalische Bogen der Band ist weit gespannt: Von heiter bis melancholisch, von träumerischen Stücken bis Songs mit tänzerischem Moment. „Ich finde die Akustik toll”, sagte der Gast aus Stendal. Musik an „unerhörten Orten” gab es in Görlitz oft: ob Passage oder Fabrik. Am Abend dann das Spektakel auf dem Fischmarkt: Zunächst noch einmal Chelesta - abgelöst von Scales, einer Band aus dem Raum München und Österreich. Ganz bunt ist auch ihr Programm. Im Mittelpunkt steht das Tenor-Saxofon: Ein geschmacklicher Leckerbissen ist das Stück „Afro-Look” mit stark karibischen Einschlag. Ein dickes Lob gab es an die Swingin' Fireballs, die trotz miesem Wetter die Stimmung gegen Mitternacht noch einmal kräftig hochschießen ließ. Mit Swing der 50er und 60er Jahre und dem un-brechlichen Elan des Sängers zogen sie das Publikum mit.

„Abstriche bei der Publikumszahl müssen wir machen, wenn das Wetter immer an der Grenze zum Wolkenbruch steht”, meinte Friedemann Dreßler, der Moderator der Veranstaltung. Am Sonnabend war der Fischmarkt stärker besucht: Das Publikum auch jünger. Den Beginn machte das Jazz-Jugend-Orchester Sachsen. Es war bereits ihr zweiter Besuch auf den Görlitzer Jazztagen. Und sie haben sich durch weitere hochkarätige Konzerte wie im Waggonbau mit der Trompeter-Legende Al Porcino einen Namen gemacht und ihren festen Besucherkern in der Region aufgebaut. Dann Frauenpower: Erst Masha Bijlsma Band und dann Sanam. Einige Gäste tanzen sogar. „Der musikalische Ablauf war fantastisch”, erklärte der Moderator und schwärmte vom Fischmarkt, der bereits zum dritten Mal für die Jazztage genutzt wurde. Er sei jedoch für die Tontechniker eine Herausforderung. Und die finanzielle Seite: Risiken könne man in 14 Tagen abschätzen. Dreßler lobte immer wieder die Sponsoren. Denn mit ihrer Hilfe soll das zehnte Festival wieder ein besonderes werden.


Görlitzer Allgemeine vom 7. Juni 2004

Überhörte Weltklasse
Volle Energie, beste Improvisation und hervorragendes Ensemblespiel: Görlitzer Jazztage überzeugen die Liebhaber

VON INES EIFLER UND BERND MEIER

Görlitz. Freitag und Sonnabend. Görlitzer Jazztage. An jedem der beiden Abende spielten drei Bands unterschiedlicher Stilrichtungen bis Mitternacht. Jazz in der Hauptsache. Klezmer, Swing und Folk, persische Töne, mal mit Gesang, mal ohne.
Den Anfang macht Freitag um halb acht Chelesta aus Leipzig. Osteuropa, Jiddisches und Eigenes. Tuba und Gitarre. Akkordeon, Schlagzeug und Gesang. Klarinette, Saxophon, Trompete und Kornett. Ein fulminanter Opener, die Mischung aus Klezmer und Jazz. Intensive und pulsierende Klangteppiche, darüber die lyrischen, klaren Töne des Trompeters. Das Kornett dunkel, erdig, expressiv.

JugendJazzOrchester
JugendJazzOrchester Sachsen: Sie legten am Samstag schon los.

Mehr als „nur” zum Tanzen
Obwohl die Musiker selbst von „Tanzmusik” sprechen, ist es mehr, viel mehr als das. Kunst, ehrlich und sauber gespielt! Poetisch, leicht, beglückend zuweilen. Ein gelungener Auftritt Chelestas auf der Fischmarktbühne, leider allzu schnell vorbei.
Die Scales aus Starnberg liefern Electricjazz vom Feinsten und begeistern das Görlitzer Publikum. Ein dichter. Klangteppich aus E-Piano, Schlagzeug und E-Bassgitarre, dazu Leadgitarre, Tenorsax und Gesang, ein intensiver, hochenergetischer Kraftstrom aus Musik. Ein starkes, expressives Sax-Solo, ausbrechend in die Obertöne und wieder hinab, schnelle Noten, ein Hexensabbat der Töne.
Die Gitarre jubelte für die Neißestadt, zu schnell zieht das Electric-Sound-Gewitter vorüber. Patrick Scales nach dem Konzert: „Meine Kunst ist ein sehr schwerer Weg, aber ich bin glücklich damit, ich möchte nichts anderes sein als Jazzmusiker!”

Die „Swinging Fireballs” - Höhepunkt und letzte Band am Freitagabend. Acht gut gelaunte Musiker, die eine weite und verregnete Fahrt von Bremen bis nach Görlitz hinter sich haben, begeistern mit brillantem Swing der 50er Jahre.
Musik und Gesang, die nach Hollywood und Las Vegas entführen. Louis Prima, Frank Sinatra, Bing Crosby, Nate Cing Cole scheinen herbeimusiziert.
Die Füße zucken, das Herz klopft, Musik die heilende Kraft on stage! Exzellente Trompeten- und Saxophonsoli, perfekte Einsätze, dynamische Interaktion - Swing auf höchstem Niveau.
„New York, New York” - doch niemand hier weitab des Big Apple, der Frank Sinatra vermisst. Denn „Fireballs” kam, sah und siegte!

Am Samstag dann das sächsische Landesjugendjazzorchester. Bestechend die Präzision der Band, herausragend die Arrangements. Musik der Weltklasse am Görlitzer Fischmarkt. Für die Görlitzerin Anne Täschner war es der Abend. Eine junge, zarte Frau mit großer Stimme. Die „Lover Man” sang wie einst Billy Holiday.
Akustikjazz der Spitzenqualität mit Masha Bijlsma aus den Niederlanden. Ihr Pianist beginnt zu spielen, wo andere am Ende sind - ganz oben. Feine, freischwingenden Pianoläufe, magische Sounds, ein elementar marschierendes Schlagzeug.
Dann groovt Paul Brodys Groove Projekt in den Görlitzer Nachthimmel. Die volle Energie, die emotionale, melodisch geblasene Trompete Brodys, dazu die Posaune. Sein Geheimnis: Er sucht für ein Projekt Musiker zusammen, deren Kunst sich in einer einmaligen Konstellation frei entfaltet. Als Vorgabe nur einige Noten, der Rest Improvisation. Er lässt die Musiker spielen und vertraut auf ihre Intuition.
Bezaubernd die deutsch-iranische Sängerin Sanam, ebenso ihre Stimme, auch wenn sie und Instrumente manchmal auseinander driften. Persische Melodien am Ende, die in den Jazzhimmel über Görlitz klingen.

Kommentar (von Bernd Meier):
Görlitz verschläft Weltmusik mit Weltklasse. Wir hörten es und alle Künstler des Festivals sagten: Wir sind Musikbesessene, wir müssen spielen, wir brauchen das Publikum!
So schließt sich die Frage an - warum nutzte der Görlitzer Oberbürgermeister Rolf Karbaum seine Freikarte nicht, wo blieb die Elite? Jazzfestivals sind eine Gelegenheit, nationale und internationale Bekanntheit zu erlangen, aber dazu braucht es Verrückte, Musikbesessene und eine Rückenstärkung von ganz oben!
So gute Musik vor einigen Unverzagten, das ist einfach zu wenig - Görlitzer, wo wart ihr, ihr habt es verpennt!
Da ist die große weite Welt des Jazzes zu Gast und Görlitz bemerkt es kaum - schade, schade, schade...


Görlitzer Allgemeine vom 7. Juni 2004

Sanam aus Berlin: „Görlitz ist supernett”
Die Jazztage sind verregnet, das Publikum bleibt klein, doch die Musiker lieben die Neißestadt

Görlitz. (ie) Für das JazzOpenAir am Wochenende war das Wetter wieder mal nicht schön genug. Vielleicht deshalb blieben viele zu Hause. Wer sich raus traute, saß geschützt unter den Bäumen am Fischmarkt.

Und wieder fällt ein Fest ins Wasser. Erst das CampusOpenAir, nun auch die neunten Görlitzer Jazztage. Friedemann Dreßler vom Veranstalter Kulturzuschlag e. V. sagte noch vor dem Wochenende, die Leute machten diese Nächte gern zum Tag, lüden sich Freunde ein, beste Plätze im ersten Rang. Doch die Fenster am Fischmarkt sind geschlossen, dahinter flackerndes Fernsehlicht. Bewohner der Schwarzen Straße haben ihre Häuser gar verlassen und kommen erst nach Mitternacht zurück. Wenn die Musik verklungen ist, das Licht gelöscht. Studenten die nassen Bänke längst aufgeräumt haben, Bierstände verwaist sind und leer.

Unten auf dem Platz ist aber gute Stimmung, am Freitag und am Sonnabend. Die eingeschworene Gemeinde Görlitzer Jazzfans klatscht anhaltend, auch wenn sie friert und mancher Musiker nicht ganz den Ton trifft. Die alten Bäume halten ab, was am Sonnabend vom Himmel rauscht, die Kneiper sind enttäuscht, denn nur wenige haben Durst. Überfüllt war der Fischmarkt ja noch nie zum Jazz. Und auch jetzt sind es pro Abend nur etwa 300 bis 400 Leute, die den Raum zwischen Bühne und Technik füllen, wie gewohnt zu später Stunde. Einige Besucher mäkeln, vor ein paar Jahren noch seien die Bands besser gewesen und der Untermarkt voll. Verglichen mit Freitag werde der Sonnabend gegen Ende immer lahmer. Aber die Künstler fühlen sich wohl in Görlitz. Herbert Berger von den Scales sagt am Freitag: „Oh, ich finde Görlitz und sein Jazzpublikum super, ich habe viel gespürt.”

Sanam
Sanam: Die Berlinerin zeigt sich von der Neißestadt angetan.

Vor ein paaren nur spielt das Landesjugendjazzorchester am Sonnabend und kaum ein Görlitzer weiß, dass er die beste junge Bigband Sachsens verpasst. Swing, Jazz, Funk. Der 19-jährige Schlagzeuger und angehende Musikstudent Wieland Fritsch ist lange nach seinem Auftritt noch immer da, hört den ändern Künstlern zu. Der Zwickauer kennt Görlitz, weil sein Vater von hier stammt, und vergangenen Oktober war er mit der Bigband zu einem Workshop im Kloster Marienthal. „Hier ist es klasse.”

Während das Landesjugendjazzorchester spielt, sitzen die beiden ändern Bands des Abends - lachend, essend - im Handwerk, denn das Camillo hat das Catering übernommen. Die deutsch-iranische Sängerin Sanam ist aufgeregt, sie steht am Abend das erste Mal mit den Musikern auf der Bühne, die Paul Brody für das Görlitzer Konzert zusammengestellt hat. „Wir hatten wenig Zeit, es war eine ganz spontane Sache. Ich habe einige Male mit dem Gitarristen und auch mit Paul geprobt, aber es gab nur eine gemeinsame Probe - zu siebt.” Vielleicht liegt es daran, dass später auf der Bühne nicht alles stimmt.

Die 25-Jährige war schon einmal in Görlitz. Denn eigentlich ist sie mehr Schauspielerin als sie singt und macht „alles, was sich spannend anhört”. Das Jazzfest in Görlitz gehörte offenbar dazu. Sie kam viel in der Welt herum, ist in Israel, Sydney, im Iran aufgetreten und vor drei Jahren auch in... Bautzen. Mit „No Sex” war sie für ein paar Auftritte in Görlitz, aber viel gesehen hat sie damals nicht. „Wir spielten und mussten dann gleich wieder mit dem blöden Bus zurück nach Bautzen. Ich mochte aber das Theater sehr, ein bisschen sind wir in Görlitz herumspaziert und auch heute finde ich die Stadt wieder schön. Es ist alles super nett hier, super organisiert, der Platz gefällt mir gut. Schöne Atmosphäre.”


Soda, Ausgabe Juni 2004

Meine Jazz-Stadt

Dieses Wochenende wird ein Fest! Und zwar eines, auf das ich mich Jahr für Jahr riesig freue. Die eingeladenen Bands und Projekte klingen vielversprechend, was nicht wundert, steht doch der Name des Veranstalters - Kulturzuschlag e. V. -für Qualität in Sachen Organisation von Jazz-Events. Die Präsentationen auf der Bühne und die Menge der (musik-)begeisterten Menschen davor machen die Görlitzer Jazz-Tage in ihrer Gesamtheit zu einem Geschehen, dem meine große Empfehlung gilt.

Görlitz ist meine persönliche Jazz-Stadt und auch deshalb bis auf weiteres meine Heimat. Hier habe ich vor vier Jahren selbst mit Jazz-Gesang begonnen, habe mich musikalisch entwickeln können und Freunde gefunden, mit denen ich leidenschaftlich jazzen, also Jazz-Leidenschaft teilen kann. Dazu gehören nicht nur die gemeinsamen Erlebnisse auf der Bühne, sondern auch jene vor der Bühne. Da wird gefachsimpelt über Arrangements und Vortragsweise, gestaunt über Stimmvermögen und instrumentale Virtuosität, den Klängen und Rhythmen Zugang zum ganzen Körper gewährt. Vor allem letzteres! Wie eine Masseurin, die erstklassig massiert wird, wie eine Blumenbinderin, die einen wunderschönen Strauß geschenkt bekommt, wie eine Köchin, die meisterlich bekocht wird, genieße ich die Auftritte derer, die mir musikalisch voraus sind. Ich öffne dann Ohren und Herz für die rhythmischen und harmonischen Spannungen, bin fasziniert von den Improvisationsparts und bewundere die Ausdruckskraft der Musiker. Diese Konzerte lassen mich Ideen, Energie und Zuversicht schöpfen für meine persönliche Jazz-Entwicklung. Drei Abende mit erstklassigem Jazz direkt vor der Haustür: Das ist so bequem wie großartig. Neun Bands werden spielen. Ein großartiges Publikum sollte ihnen vergönnt sein. Mein Favourit: Masha Bijlsma Band. Wir sehen uns vor der Bühne!
Nicolle Mehnert


Sächsische Zeitung, 6. Mai 2004, Kulturteil

Amerikaner komponiert für Görlitz Jazztage Anfang Juni mit „handverlesenen Bands”

„Swing - weltgewandt” ist das Motto der zehnten Jazztage in Görlitz vom 4. bis 6. Juni. „Neun handverlesene Bands” kündigte der Verein Kulturzuschlag gestern in Görlitz an. Von Klezmer bis Swing sei alles dabei. Zu den Gästen gehört Masha Bijlsma, eine der größten Jazzstimmen Hollands. Der aus San Francisco stammende Trompetenvirtuose Paul Brody, der in Berlin lebt, komponierte speziell für Görlitz ein „Groove-Project”. Dafür hat er die Sängerin Sanam gefunden, mit sanfter Soulstimme und einem musikalischen Bogen, der sich zwischen Jazz, Ambient Pop, dunklen Triphop Sounds und African Ska spannt, zwischen sparsam arrangierten Balladen und soundgewaltigem Rock. Im Programm ist auch das Jugendjazz Orchester Sachsen.

Am Freitag und Sonnabend wird Open Air auf dem Fischmarkt gespielt. Am Sonntag verlassen die Jazztage ihr gewohntes Terrain in Richtung Neißeufer, heißt es. Das Abschlusskonzert ist in der „Blue Box”, der Aula der Hochschule. Dies sei Studenten vom Kultours Verein zu verdanken. Es spielen Cyminology, Gewinner des internationalen Wettbewerbs „New Generation 2003”. Ihre Kompositionen vereinen Elemente aus dem Jazz- und Popbereich und geben einen Einblick in die persischen Wurzeln der Sängerin Cymin Samawatie.

Bereits am 27. Mai gibt es eine Lektion Jazz für 12- bis 18-Jährige. „Wie begeisterungsfähig. spannend und emotional diese Musik sein kann, erlebt der Einsteiger am besten im Live-Konzert”, heißt es. Mit Beispielen soll die Jugend begeistert werden. Die musikalische Leitung hat Steffen Arnold, Dozent an der Musikhochschule Leipzig. (SZ/st)

Informationen über die Agentur i-vent in Göritz, 03581 42 13 62.


Aus: Musikland Deutschland, herausgegeben von der Deutschen Zentrale für Tourismus e. V.

Görlitz - ungewöhnliches Ambiente Die fast tausendjährige Stadt Görlitz verbindet Konzerterlebnisse unterschiedlicher Stilarten des Jazz mit dem Erlebnis außergewöhnlicher Stadträume und Architecktur. An ,unerhörten Orten' wie Industriedenkmälern erfährt das Publikum die belebende Kraft des Jazz als multimediale Inszenierung und erlebt dabei ganz neue Hör- und Sichtweisen.


Aus FOCUS, Nr.19/04, 3.Mai 2004, Kulturatlas

Ausschnitt aus dem FOCUS 19/04 zu den Jazztagen Görlitz


Aus Musik in Sachsen 2 - 2004

Jazztage Görlitz vom 27. Mai bis 6. Juni 2004

Ende Mai beginnt im Herzen der Altstadt von Görlitz ein Jazzfestival, das zunehmend auch das Interesse von Musikinteressierten außerhalb der Region gewinnt.Dabei gehört das besondere Ambiente der historischen Kulisse ebenso zu den Geheimnissen des Erfolges wie die unbekümmerte Vielfalt im Programm

Bereits zum neunten Mal veranstaltet Kulturzuschlag e. V. die Jazztage, seit 2002 in alleiniger inhaltlicher und finanzieller Verantwortung. Unterstützt vom städtischen Kulturamt und dem Kulturraum Oberlausitz/Niederschlesien setzt der Veranstaltet auf eine beachtliche Zahl kleiner und mittlerer Förderer der örtlichen Wirtschaft. Die Landskron Brauerei, ein wirtschaftlicher ,Geburtshelfer' ist auch heute noch wichtigster privater Sponsor. Der gemeinnützige Charakter des Vereins sichert, dass dabei jeder Euro ,zum Klingen kommt'. Das kann jeder Besucher live erleben und obwohl die Eintrittsgelder eine wichtige Finanzierungsquelle sind, bleiben die Ticketpreise seht moderat. Immerhin gab's neben zahlreichen Entdeckungen der jungen, europäischen Jazzszene auch jährlich klangvolle Namen: Maynard Fergusson, Barbara Dennerlein, Charlie Antolini, Lyambico, Reverends Revenge', Inga Rumpf oder Jocelyn B. Smith.

Seit vorigem Jahr hat sich die Spreizung der Jazztage über zwei Wochenenden bewährt. So erreicht das Festival nicht nur ,harte Fans' sondern gewinnt unter interessierten Gelegenheitshörern jährlich neue Freunde hinzu. Ein open air Konzert auf dem Fischmarkt lässt bis Mitternacht drei Bands erleben und hat schon manches Vorurteil über den Jazz über jenen sprichwörtlichen Haufen geworfen. Nicht bierseliges Dixiedudeln, nicht akademisch-vertrackte Überkomposition oder selbstvergessener ,Knispeljazz' dominieren die Jazztage in Görlitz. Vielmehr stehen Vielfalt und Spielfreude auf hohem Niveau Pate beim Programm. Jeder Abend verführt zu einem Streifzug durch verschiedene Jazz-Welten. Unversehens findet sich der Freund traditioneller Takte unter den begeisterten Funkjazzfreunden und lässt sich anstecken, das Basaltpflaster mit zuckender Sohle zu traktieren.

Die Jazztage Görlitz setzen sich aus Bausteinen zusammen, die je nach Finanzlage variieren. Mit den ,Unerhörten Orten' kreierte der Verein 2003 die vielleicht innovativste Spielart. In einer leerstehenden Hefefabrik gestalteten fünf Bands eine Performance. wobei Didgeridoo, Alphorn und der Tanz auf einem Bodenxylophon zu den ausgefallendsten Aktivitäten zählten. Gleichfalls startete innerhalb der Jazztage ein grenzübergreifender Workshop für talentierte Nachwuchsmusiker aus Deutschland, Tschechien und Polen.

Derzeit gehören dem Verein ,Kulturzuschlag' zehn Mitglieder an. Seit 1992 agiert der Verein so aus dem aktiven Engagement aller, wobei neben dem Festival Einzelveranstaltungen unterschiedlicher Genres - von Kabarett über Lieder, Lesungen, Film, Weltmusik, Jazz, Rock, Funk und vieles mehr - organisiert werden.

Später worden die Jazztage bestimmender innerhalb der Vereinstätigkeit. Als eines der 15 größten Jazzfestivals ist Görlitz zu einer festen Adresse in diesem Genre geworden.

Die alte Fußballweisheit, dass nach dem Spiel vor dem Spiel ist, lässt sich auf ein solches Festival übertragen. Bereits in den Applaus eines Abschlusskonzerts mischen sich für den Organisator die selbstkritischen Überlegungen, wie das nächste Mal aussehen und klingen müsste. Auch die Angebote zahlloser internationaler Bands flattern ganzjährig in die Briefkästen und zunehmend digital in die Mailbox. Besonderes, Begeisterndes und Bezahlbares zu finden, macht heute die Vorbereitungen kompliziert, aber auch spannend.
Jazz über Grenzen bedeutet hier einerseits, international profilierte Künstler zu gewinnen. Andererseits soll Jazz in seiner ganzen Vielfalt präsentiert werden, auch stilistisch übergreifende Projekte. in denen beispielsweise Weltmusik, Klassik oder Pop einfließen.

Wer die Jazztage Görlitz erlebt. spürt, dass Jazz nicht nur .durch den Kopf, sondern auch in Bauch und Beine geht. Noch sind nicht alle Verträge unter Dach und Fach aber ein roter Faden im Programm formuliert: Von Swing bis weltgewandt'. Im Grenzbereich zwischen Jazz und Folk rekrutierten die Veranstalter ganz erstaunliche Bandprojekte. Stilrichtungen wie Klezmer oder Balkanbrass bilden die Ideenspender für einen frühlingshaft erfrischenden Jazz.