Pressespiegel 2006


... die Jazztage 2006 im Spiegel der Presse


Sächsische Zeitung vom 17. Mai 2006

Musiker ins Maschinenhaus
Jazztage. Görlitz lädt von morgen bis Sonntag an besondere Konzertorte. Das Programm vereint namhafte Künstler und junge Talente.

von Silvia Stengel

Maschinenhaus" und „1907" steht an dem Klinker-Bau mit den großen Fensterbögen und Türmchen. Über eine eiserne Treppe geht es in eine leere Halle. Säulen in der Mitte, rostige Ketten an der Decke, Fliesen und Neonröhren an den Seiten, abgeblätterte Wandfarbe, blaues und gelbes Glas über der Eingangstür - das hat Charme. Auch der Blick nach außen auf die anderen hohen Klinker-Bauten, einige mit Wein- blättern bewachsen. Hier, auf dem Gelände der Landskron-Brauerei in Görlitz, werden morgen die Jazztage eröffnet.

Stummfilm zum Auftakt
Ein „unerhörter Ort" ist das ehemalige Maschinenhaus für die Veranstalter, den Verein Kulturzuschlag. Unter diesem Titel werden Jahr für Jahr neue Konzert-Räume erschlossen. Zugleich öffnen sich die Jazztage für andere Künste. Mal gibt es eine Lesung oder Ausstellung zur Musik, mal eine Computer-Animation. Morgen ist es ein Stummfilm- Klassiker: „Berlin - Sinfonie einer Großstadt". Dazu spielt das Good Music Trio. Leinwand, Musiker-Podest und Besucher-Stühle werden bis dahin noch aufgebaut.
Am Freitag und Sonnabend sind die Jazztage traditionell auf dem Fischmarkt zu erleben. Unter den namhaften Künstlern ist Jocelyn B. Smith, die am Freitag mit ihrer Band auftritt. Die Sängerin, die in New York geboren wurde und seit 1984 in Berlin lebt, war bereits im vorigen Jahr in Görlitz geplant, musste dann aber absagen, erzählt Vereinsvorsitzender . Friedemann Dreßler. Jocelyn B. Smith bringt Soul- und Gospel-Klänge ein. Der Amerikaner Hiram Bullock, der am Sonnabend mit Band auftritt, ist eher im Rhythm-Blues zu Hause. Er sorgt auf jeden Fall für gute Stimmung und geht dafür auch mit der Gitarre ins Publikum, so Dreßler.
Die Künstler kommen gern nach Görlitz. Sie schwärmen vom aufmerksamen Publikum. „Auch die Stadt als Kulisse ist für viele Musiker sehr einprägsam", sagt der Vereinschef. Die Breite des Festivals mit Jazz, Funk, Swing, Big Band und Gospel spricht zahlreiche Künstler an. Der Verein bekommt das ganze Jahr über Angebote von Musikern, für Dreßler eine „extreme Qual der Wahl".
Auch beim diesjährigen Programm fällt es ihm schwer, jemanden hervorzuheben. Jede Band sei interessant. Es hätten schon unbekannte Künstler in Görlitz gespielt, die später ganz groß herauskamen. Etwas Besonderes sind die Damen aus den USA, die Tiptons, vier am Saxofon und eine am Schlagwerk, „die ganz locker ihre Musik rüberbringen", so Dreßler. Die Furiopolis-Band sei aber auch sehr gut, vor allem sehr witzig, was sicher vielen jungen Leuten gefällt. Die Band verjazzt Kinder- und Volkslieder. Der Start am Sonnabend ist genau so „viel versprechend", betont Dreßler. Claus Koch & The Boperators haben einen kubanischen Trommler dabei. Zum Auftakt am Freitag spielen junge Musiker. „Jazzkomplott" heißt die Gruppe, die im vorigen Jahr in Brandenburg den Wettbewerb „Jugend jazzt" gewonnen hat.
Aber auch bei den Besuchern kümmert sich der Verein Kulturzuschlag um Nachwuchs. Die „Lektion Jazz" mit Profi-Musikern füllt zweimal eine Aula mit rund 200 Schülern von 15 bis 17 Jahren. Der etwas andere Unterricht soll zeigen, dass Jazz Spaß machen kann.

Locker und angenehm
Die Veranstalter der Jazztage, nun im elften Jahr, freuen sich über konstante Besucherzahlen. Um die 2 000 waren es immer in den vergangenen Jahren, sagt Dreßler. „Die Zahl steigt, wenn das Wetter angenehm ist". Inzwischen gibt es Fans, die dafür eine lange Anreise auf sich nehmen und einen Stadtbesuch mit dem Festival-Termin verbinden, zum Beispiel einer aus der Gegend um Frankfurt am Main. „Der mag die lockere, angenehme Atmosphäre" sagt Dreßler. „Es gibt jedes Jahr Leute, die uns begrüßen wie gute alte Bekannte."
Finanziert werden die Jazztage mit Fördermitteln aus dem Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien, der sächsischen Kulturstiftung, einem Beitrag und technischer Unterstützung der Stadt. „Wir haben sehr soziale Preise für die Qualität der Musiker", so Dreßler. Das geht nur mit Sponsoren - für den Verein „jedes Jahr ein harter Kampf".


Sächsische Zeitung, 17. Mai 2006

Bill Evans war einfach Spitze

Die 13. Jazztage Görlitz boten mit ihrer wunderbaren Musik auch höchsten Hörgenuss

von Bernd Meier

Das Festival begann mit einem Jazzabend der Extraklasse: Im Finanzamt spielte am Freitag das Thomas Siffling Trio aus Mannheim. Der Sound elektrisierte die Hörer vom ersten Takt an. Bestechend waren der energiegeladene, klare lyrische Song der Trompete und des Flügelhorns. Ab 19.30 Uhr spielten dann Soundsville heiße Sachen auf der Orgel. Blues war angesagt. Alberto Marsico groovte wie einst Jimmy Smith. Das Tobias Relenberg Quartett versetzte das Publikum am Fischmarkt in Aufruhr. Das Tenorsaxofon swingte den Ton klar und feurig zugleich in die Abendstille.

Wunderbare Meisterschaft
Mit Spannung wurde am Sonnabend die Musik der polnischen Musiker von Fourth Floor erwartet. Die Musiker spielten ihren irrwitzig verrückten Sound in eindringlich intensiven und sehr melodischen Bögen. Wohlgemerkt jeder mit vier Schlegeln, je Hand zwei. Dabei saß jeder Ton dort, wo er hingehörte, wunderbare Meisterschaft. Radek Scarek am Schlagzeug erfreute mit sensiblem, aber auch energischem Puls. Marcin Grabowski rundete die Sache mit einem grummelnden und stringenten Bass ab.

Maracatas
Sängerin Maracatas aus
Brasilien brillierte mit
südamerikanischen Rhythmen.

Danach bot das Horo-Nontett Musik vom Balkan, aus alten jüdischen Kulturräumen sowie aus Arabien an. Horo liebt vertrackte 7/8 oder noch schwierigere Taktversionen und bringt sie in eine versierte und ambitionierte Form.

Das Spitzenevent des Festivals war Bill Evans. Er kam, spielte und begeisterte. Es war einfach umwerfend, wie Evans auf seinem Tenorsaxofon die Töne hervor zauberte. Da staunte das Publikum auf den Bänken, was so ein großer und erfahrener Entertainer draufhat. Dass es ihnen Spaß machte, merkte und hörte man. So rissen dem Geiger, der auf einer außergewöhnlichen elektronischen Geige irrwitzige Solis spielte, die Haare des Bogens; wenn er Piccicato mit den Fingern die Töne zupfte und dabei den Bogen im Mund hielt. Einmal fing der Musiker mitten im Konzert an, einen Ball zu balancieren. Da sah man Bill Evans an, wie er sich an solchen Späßen seiner Musiker erfreute.


Sächsische Zeitung vom 20./21. Mai 2006

Ein jazziger Freitagabend auf dem Görlitzer Fischmarkt

Jazzkomplott

Die Band Jazzkomplott mit Gitarrist Christian Lippert (l.) und Bassist Thomas Braune eröffnete am späten Freitag den Konzertabend auf dem Görlitzer Fischmarkt. Trotz des unbeständigen Wetters füllte sich der Platz vor der Bühne schnell. Am Sonnabend und Sonntag gibt's mehr für Jazz liebende Ohren, u. a. im Schlesischen Museum, in der Vierradenmühle und auch wieder auf dem Fischmarkt.
Foto: Nikolai Schmidt


Sächsische Zeitung vom 22. Mai 2006

Glühwein hilft
Jazztage. Petrus kann die Stimmung trotz seiner Regengüsse nicht trüben.

von René Tzschoppe

Tiptons
Vollen Einsatz zeigte auch
der Saxofonist der "Tiptons".

Petrus mag keine verjazzten Kinder- und Volkslieder. Einen heftigen Regenguss samt Blitz und Donner schickt er auf den Fischmarkt. Das Publikum sieht es anders. „Fidiralala" singt es zur „Vogelhochzeit" der anderen Art mit. Und selbst „Mein Hut, der hat drei Ecken" mit Waschbrett und Rumbakugeln wirkt kubanisch und lässt das Wetter etwas in Vergessenheit geraten. „Könnt ihr die Technik lauter stellen, damit wir den Regen übertönen", kommt die trotzige Anweisung von der Bühne. Weiter spielen die Jungs der niederrheinischen Kapelle Furiopolis. So richtig wettermäßig schön wird es am Sonnabendabend dann nicht mehr - eher noch kälter. Die Gastronomie reagiert: Glühwein gibt es. Nur die Musik hält sich auf dem ausgezeichneten Niveau. So wie bereits am Vorabend.

Klatschende Zuschauerin
Singen, klatschen, Gemütlichkeit
waren das Motto an allen
Abenden des Jazzfestes. Wer da
ruhig sitzen bleiben konnte, war
selber Schuld. Mitreißende Musik,
nette Leute und eine gute
Bewirtung gehörten dazu.

„Wir können zufrieden sein"
Egal, wer die Bühne betritt. Der Funke springt über. Es sind gute Bands mit guter Musik - sie beherrschen alle ihr Handwerk. Das Publikum ist  begeistert, aber  schüchtern. So erkennt es auch Jocelyn B. Smith: Die Leute von hinten mögen doch nach vorn kommen und tanzen. Es finden sich sogar einige.
„Wir können zufrieden sein", resümiert dann auch Reinhard Schubert, Mitglied des Organisationsvereins „Kulturzuschlag".  Nur das Wetter macht ihn etwas sauer. Aber er denkt  an den  Scherz der ersten Band vom Freitagabend: „Wir spielen passend  zur Jahreszeit.  Jeder wird es erraten", hatte sie angekündigt und ihren Jazzkomplott mit dem Klassiker „Summertime" angesetzt - etwas eigenwillig, aber gerade deshalb so spannend.
Es brauchte seine Zeit, bis sich der Fischmarkt an  den Abenden füllte. Die letzten Bands spielen immer vor mehr Publikum als die ersten, die noch bei Tageslicht angetreten waren. Dennoch: Die Besucher kamen wieder zahlreich. Und wenn sie  auch nicht getanzt haben: Mit heftigem Applaus und Gejohle wurde jede Band an den vergangenen Tagen bejubelt.


Sächsische Zeitung vom 22. Mai 2006

Jazzkomplott
Fünf preisgekrönte Jazzer der brandenburgischen Band Jazzkomplott eröffneten
musikalisch den Freitagabend auf dem Görlitzer Fischmarkt.


Sächsische Zeitung vom 22. Mai 2006

Asiatische Familie begutachtet die Bilder auf ihrer Digitalkamera
Hoffentlich hat die digitale Festplatte auch ja alles
richtig gespeichert. Die Familie in weiter Ferne will ja
auch etwas zu sehen haben.
Claus Koch
Claus Koch & The Boperators
trommeln sich auf dem Fischmarkt heiß.
Besucher im Regen vor der Bühne der Jazztage
Hunderte Jazz-begeisterte Besucher trafen sich auch
am Sonnabendabend auf dem Fischmarkt und
trotzten, richtig angezogen, dem nassen Wetter.
Familie mit Kindern bei den Jazztagen
Ganz in Familie: Da hören
und schauen alle mit zu.

Fotos: Andreas Trela