Pressespiegel 2007


... die Jazztage 2007 im Spiegel der Presse


Sächsische Zeitung vom 5. Juni 2007

Jazztage locken mehr Besucher als im Vorjahr
Friedemann Dreßler vom Kulturzuschlag-Verein zieht für das Festival ein sehr positives Resümee.

von Ingo Kramer

Zwischen 1500 und 2000 Men­schen besuchten die zwölften Jazztage Görlitz am Wochenende. Eine genauere Zahl hat Friedemann Dreßler, Vorsitzender der Kulturzu­schlag-Vereins, nicht. „Gerade we­gen der Wochenendtickets, aber auch der Freikarten kann man nie präzise Zahlen nennen", sagt er.
Mit der Resonanz war er überaus zufrieden. Dank des im Vergleich zum Vorjahr deutlich besseren Wetters seien mehr Besucher auf den Fischmarkt gekommen. Noch viel mehr als die reinen Zahlen freut Friedemann Dreßler aber die Resonanz der Zuschauer: „Das Be­dürfnis, seine Begeisterung auch mitzuteilen, ist gewachsen", sagt er. Auffällig sei, dass verschiedene Besucher die unterschiedlichsten Bands als ihren absoluten Höhe­punkt beschrieben. Das zeige, dass sich die Vielfalt im Konzept bewährt habe. Erfreulich sei zudem, dass es mittlerweile ein breites Publikum gebe, das die Jazztage regelmäßig besucht. „Eine kleinere Zahl von Stammgästen kommt sogar aus den alten Bundesländern und der Schweiz regelmäßig zu uns", freut sich der Vereinsvorsitzende.

Karin Bachner
Auch Karin Bachner
begeisterte in Görlitz.

Kaum negative Zwischenfälle
Unangenehme Zwischenfälle gab es nur wenige. So hat sich Trompe­ter Christoph Titz wenige Minuten vor seinem Auftritt zwei Finger der­maßen aufgeschnitten, dass diese verbunden werden mussten, bevor er auf die Bühne konnte. Sein Kon­zert spielte er dennoch in voller Länge. Die Prager Big Band um Mi­lan Svoboda hingegen hatte ganz andere Sorgen: Sie musste am Autoradio vor ihrem Auftritt noch das Ergebnis des Fußball-Länderspiels ihres Landes gegen Wales abwar­ten, bevor sie bereit war, auf die Bühne zu gehen. Somit verzögerte sich der Auftritt um 20 Minuten.
„Ansonsten aber lief alles glatt", sagt Friedemann Dreßler. Sogar die Verbindung mit dem Marathon hat funktioniert: „Ich hatte das Gefühl, dass Besucher, die wegen dem Ma­rathon gekommen sind, das Dop­pelangebot genutzt haben." Sehr gut angenommen wurden auch die Konzerte in der Goethestraße 5 und im Maschinenhaus der Brauerei.
Für den Kulturzuschlag-Verein beginnt nun die Planung für die 13. Jazztage. Sie werden voraussicht­lich vom 22. bis 25. Mai 2008 statt­finden. Der Fakt, dass es die 13. Jazztage sind, provoziere geradezu, ein paar verrückte Sachen in das Programm aufzunehmen, so Frie­demann Dreßler. Sein Verein überlegt, die Tage unter den Slogan „Jazz schlägt's 13" zu stellen.

Yakou Tribe
Die Band Yakou Tribe spielt zum Abschluss der zwölften Görlitzer Jazztage
im Maschinenhaus der Landskron Brauerei.


Lausitzer Rundschau vom 4. Juni 2007

Bill Evans war einfach Spitze

Die 13. Jazztage Görlitz boten mit ihrer wunderbaren Musik auch höchsten Hörgenuss

von Bernd Meier

Das Festival begann mit einem Jazzabend der Extraklasse: Im Finanzamt spielte am Freitag das Thomas Siffling Trio aus Mannheim. Der Sound elektrisierte die Hörer vom ersten Takt an. Bestechend waren der energiegeladene, klare lyrische Song der Trompete und des Flügelhorns. Ab 19.30 Uhr spielten dann Soundsville heiße Sachen auf der Orgel. Blues war angesagt. Alberto Marsico groovte wie einst Jimmy Smith. Das Tobias Relenberg Quartett versetzte das Publikum am Fischmarkt in Aufruhr. Das Tenorsaxofon swingte den Ton klar und feurig zugleich in die Abendstille.

Wunderbare Meisterschaft
Mit Spannung wurde am Sonnabend die Musik der polnischen Musiker von Fourth Floor erwartet. Die Musiker spielten ihren irrwitzig verrückten Sound in eindringlich intensiven und sehr melodischen Bögen. Wohlgemerkt jeder mit vier Schlegeln, je Hand zwei. Dabei saß jeder Ton dort, wo er hingehörte, wunderbare Meisterschaft. Radek Scarek am Schlagzeug erfreute mit sensiblem, aber auch energischem Puls. Marcin Grabowski rundete die Sache mit einem grummelnden und stringenten Bass ab.

Maracatas
Sängerin Maracatas aus
Brasilien brillierte mit
südamerikanischen Rhythmen.

Danach bot das Horo-Nontett Musik vom Balkan, aus alten jüdischen Kulturräumen sowie aus Arabien an. Horo liebt vertrackte 7/8 oder noch schwierigere Taktversionen und bringt sie in eine versierte und ambitionierte Form.

Das Spitzenevent des Festivals war Bill Evans. Er kam, spielte und begeisterte. Es war einfach umwerfend, wie Evans auf seinem Tenorsaxofon die Töne hervor zauberte. Da staunte das Publikum auf den Bänken, was so ein großer und erfahrener Entertainer draufhat. Dass es ihnen Spaß machte, merkte und hörte man. So rissen dem Geiger, der auf einer außergewöhnlichen elektronischen Geige irrwitzige Solis spielte, die Haare des Bogens; wenn er Piccicato mit den Fingern die Töne zupfte und dabei den Bogen im Mund hielt. Einmal fing der Musiker mitten im Konzert an, einen Ball zu balancieren. Da sah man Bill Evans an, wie er sich an solchen Späßen seiner Musiker erfreute.


Sächsische Zeitung vom 4. Juni 2007

Altstadt unterm Jazzhimmel

Die zwölften Görlitzer Jazztage waren ein voller Erfolg. Von Donnerstag- bis Sonntagabend nutzten hunderte Görlitzer, aber auch viele Touristen, die Gelegenheit, tradi-tionell auf dem Fischmarkt oder an weitgehend unbekannten Orten anspruchsvollen Jazz zu hören, zu tanzen oder sich fachkundig über das Dargebotene auszutauschen. Die Veranstalter waren zufrieden: „Wir hatten noch mehr Besucher als im Vorjahr."


Sächsische Zeitung vom 04. Juni 2007

Unerhörte Orte

Jazz im Finanzamt mit dem Thomas Siffling Trio

In der Reihe „Unerhörte Orte”, die am Anfang eines jeden Jazztage-Jahrgangs steht, bespielte gestern Abend das Thomas Siffling Trio die Gewölbehalle des Görlitzer Finanzamts. Früher diente der Raum als Bierlager, später auch Weinlager und Depot für allerlei alkoholhaltige Mixgetränke des VEB Nordstern. Gestern begeisterte nun das Thomas Siffling Trio mit seiner wunderbaren Mischung aus akustischem, fast schon kammermusikalischem Jazz und elektronischer Groove-Musik.

Heute werden die Jazztage mit Auftritten von dem Dresdner Projekt Soundsville, der brasilianischen Sängerin Maracatas und dem Tobias Relenberg Quartett fortgesetzt. Los geht es um 19.30 Uhr auf dem Fischmarkt.


Sächsische Zeitung vom 04. Juni 2007

Verrückt und unerhört
Die 12. Görlitzer Jazztage bieten Musik-Vielfalt und tolle Stimmung.

von Karsten Blüthgen

Lange blies die Band dem nahenden Regen erfolgreich entgegen. Dann, kurz vor Mit­ternacht, ließ sich das Wetter nicht länger hinhalten. Vermutlich aber gingen auf dem Görlitzer Fisch­markt weit weniger Schirme auf als vorhanden - die begeisterte Stim­mung unter den dicht gedrängten Besuchern ließ keinen Raum für Nebensächliches.
Milan Svoboda und seine furiose Prag Bigband waren der Höhe­punkt des Open Air am Sonnabend und eines der großen Ereignisse der 12. Görlitzer Jazztage. Auf solche Weise hält man eine scheinbar ent­schlummernde Ära des Jazz wach. Svoboda, stets mit Schlapphut auf der Bühne, mag filigran gesetzte Kompositionen, mit denen er seit drei Jahrzehnten seine Musiker ausgiebig versorgt. Sie stehen in bester Bigband-Tradition und las­sen sich doch in kein Schema pres­sen. Svoboda liebt besonders Stü­cke, die kraftvoll, positiv, ein „bis-schään verrickt" klingen. Bisweilen jagt ein ungerader Takt den nächs­ten. Holz- und Blechbläser finden sich zu bizarr-schönen Harmonien. Die Rhythmusgruppe zaubert bei­nahe mystische Untergründe. Fas­zinierend bei so viel organisiertem Klang, wie viel Raum sich auftut für entspanntes Improvisieren.

Von Dixie bis Free Jazz
Konzerte unter freiem Himmel, zu denen ganze Familien strömen, sind zum Hauptmerkmal der Gör­litzer Jazztage geworden. Da erlebt man ein breites Spektrum an Stilen, die in absichtsvollem Kontrast auf­einander folgen. Vor den finalen Bigband-Fanfaren war am Sonn­abend der Gitarrist Christian Röver zu hören - wiederum mit zwei Pragern an seiner Seite: Ondrej Pivec an der Hammondorgel und Schlag­zeuger Tomas Hobzek. Das Trio gab sich leger und unaufgeregt, entwi­ckelte Stücke von großer Weite und assoziativer Kraft. Danach stimu­lierte die Amerikanerin Soleil Ni-klasson mit sonniger, voluminöser Stimme. Ihre Band aus Schlag­zeug, E-Gitarre und Kontrabass lie­ferte einen brodelnden Back-ground aus Blues, Soul und latein­amerikanischen Gewürzen.
Schon der Vorabend bot Großar­tiges. Etwa das Quartett um Sänge­rin Katrin Bachner mit balladesken Tönen. Oder das Radio String Quartet aus Wien, einem Streichquar­tett, das sich dem Erbe John McLaughlins und des Mahavishnu Orchestra angenommen hat. Schließlich Titz, ein Trompeter, der auch Maria Glen oder Reinhard Mey mit minimalistischem Stil be­reichert. Der genauere Blick fällt auf viel Weitläufigkeit bei dieser jährlichen Jazz-Zusammenkunft.
Außer den „Extremen" – Free Jazz auf der einen, Dixieland auf der anderen Seite - bieten die Open-Air-Konzerte Raum für alles, sagt Friedemann Dreßler vom Ver­ein „Kulturzuschlag", der die Jazz­tage verantwortet. Warum draußen das meiste los ist? „Görlitz fehlt es an größeren Innenräumen für Jazz". Ein Ambiente wie der Fisch­markt ist keineswegs ein Notbehelf: Weit tönen die Klänge durch die Gassen, die ganze Altstadt inha­liert das Ereignis.

Neues Leben in der Hefefabrik
Daneben sucht und findet man auch „unerhörte" Orte. Dort ge­deiht dann das Experiment. Vor zwei Jahren wurde die ehemalige Hefefabrik wiederbelebt. In diesem Jahr erregte das Dresdner Trio „An­namateur" im kaum bekannten Al­ten Hörsaal auf der Goethestraße. Ein Publikumserfolg? Und ob. „Wir mussten Leute wegschicken", be­dauerte Dreßler. Das Leben geht weiter, und nächstes Jahr gibt's neue Jazztage in Görlitz.

Fotos: Christian Suhrbier

Christoph Titz
Trompeter Christoph Titz trat am Freitag auf dem Fischmarkt auf.

Soleil Niklasson
Soleil Niklasson war am Sonnabend bei den zwölften Jazztagen in Görlitz zu erleben.


Sächsische Zeitung vom 4. Juni 2007

Die Görlitzer Jazztage waren ein voller Erfolg. Zwei Abende lang Jazz am Fischmarkt, gewaltige Stimmen und tolle Sounds. Unerhörte Klänge an uner­hörten Orten und jede Menge Fans. Schon das Auftaktkonzert der originellen Künstlerin Annamateur am Donnerstag zog mehr Besucher in die ehemalige Hochschulvilla auf der Goethestraße, als in den alten Hörsaal passten. Am nächsten Tag saß man auf dem Fischmarkt gemütlich unter großen Bäumen in konzentrierter Atmosphäre bei Bier und Wein sowie Grillsehwein am Spieß, während sanftere Töne, Balladen, Streicher und ein großartiger Trompeter mit anspruchsvollem Jazz die abendliche Luft zum Schwingen brachten. Überfüllt war auch der Nachtschmied am Ober­markt, in den die Musiker nach Mitternacht zur Jamsession zogen. Ein noch größeres Publikum als beim ersten Open Air sah der Fisch­markt am Sonnabend. Die einzige farbige Stimme der Jazztage, Soleil Niklasson, begeisterte die Zuhörer und ließ sie nicht ruhig sitzen auf den dicht gefüllten Bänken.
Die Görlitzer, darunter viele, die selber seit Jahren Musik machen, unterhielten sich angeregt über das sie alle verbindende Thema, ließen die Gläser klingen und irgendwann begannen die Ersten zu tanzen. Mi­lan Svoboda aus Prag aber brachte die Leute zudem zum Lachen. Mit kaum merklichen, knappen, selbst­ironischen Gesten ließ er seine Prag Big Band mit aller Kraft spielen, aber auch mal mystische und schräge Töne anstimmen.
Friedemann Dressler vom Veran­stalter Kulturzuschlag e. V. war am Schluss mehr als zufrieden. „Alles hat gestimmt und wir hatten zu diesen Jazztagen noch mehr Besu­cher." Auch das Publikum, versetzt in Begeisterungsstürme, wäre wohl applaudierend auf die Sitze geklettert, wenn das Mitternachtsgewitter es nicht nassgeregnet hätte. (if)

Foto: Christian Suhrbier

Christian Röver
Platzfüllend: Das Christian Röver Organ Trio begeisterte am Sonnabend auf dem vollen Fischmarkt.

Soleil Niklasson
Betörend: Soleil Niklasson

Thomas Gier
Tonangebend: Sebastian Räther

Christoph Titz
Gefühlvoll: Christoph Titz