Pressespiegel 2012


... die Jazztage 2012 im Spiegel der Presse


Niederschlesischer Kurier vom 19. Mai 2012

Saitensprünge des Gymnasiasten

Mit zwölf Jahren ist er der jüngste Musiker auf der Bühne der Iazztage Görlitz. Neben namhaften Gitarristen wie dem Polen Krzysztof Scieranski oder dem Finnen Kalle Kalima darf er dort die Saiten reißen und mancher Kenner meint, Philipp Adam könnte bald ganz andere aufziehen. Beim sächsischen Nachwuchswettbewerb „Jugend jazzt“ stimmte die Jury unisono ein Lob in höchsten Tönen an. Kulturzuschlag e.V. hatte wie bereits im Vorjahr einen Auftritt beim Festival als Anerkennung ausgelobt. Nun gastiert die Dresdner Formation DD Connection (Altersdurchschnitt 15,4) als Startband am Freitag auf dem Fischmarkt. Den Kontrast zwischen blutjungen Jazzern und internationaler Prominenz genießen Zuhörer und Organisatoren. „Nicht etwa weil Mehrgenerationen-Jazz gefördert wird, sondern weil das die Erneuerungsfähigkeit des Jazz beweist“, sagt Matthias Brendel vom Kulturzuschlag e.V. Er selbst hat schon mit zwölf Gitarre gespielt und musiziert noch heute in seiner Freizeit. „Wer je für ein Instrument gebrannt hat, wird immer wieder von Musik ergriffen“, ist Brendel überzeugt und er fügt hinzu: „Von echter, intensiver.“ Und dann folgt eine Aufzählung renommierter Gitarristen, die in 16 Jazztagen die Bühne bestiegen haben. „Besteigen trifft es nicht, denke ich an Hiram Bullock.“ Gottfried Stichel schmunzelt: „Er kam aus dem Publikum, spielte bereits via Funksignal und wälzte seine 2 ½ Zentner frontal über die Bühnenkante, ohne den Gitarrenriff zu unterbrechen.“ Die Show war gigantisch aber vielmehr bleibt seine Spielfreude unvergessen. Der amerikanische Ausnahmekönner des Jazz und Funk verstarb viel zu früh 2008.

Zwei junge Wilde des Saitenspiels bieten die Jazztage Görlitz 2012: Der britische Bassist Shez Raja führt ein explosives Team, das auch per Geige dem Jazz ganz neue Klänge entreißt. Der Finne Kalle Kalima überrascht jährlich mit neuen Projekten und ist für geistvoll-witzige Experimente bekannt. Mit Krzysztof Scieranski steht viel gute polnische Jazzgeschichte auf den Brettern. „Laboratorium“ galt in den 1970ern als Keimzelle einer polnischen Jazz-Population, deren Namen heute weltweiten Klang haben. Philipp Adam steht dagegen am Anfang. „Wir haben schon manchen Musiker präsentiert, der später mit dem Jazz Award und Preisen der Schallplattenkritik geadelt wurde“, resümiert Stichel mit unverhohlenem Stolz: „Tingvall Trio, Rusconi, Lyambiko, Torsten Goods, Annamateur...“ Brendel muss bremsen: „Da kommen wir schnell ins Schwärmen.“

Und genau das ist auch dem Publikum der 17. Jazztage vom 30. Mai bis 3. Juni zu gönnen.


Wochenkurier (Görlitz) vom 23. Mai 2012

Jazz am „Unerhörten Ort“ und in der Altstadt

17. Jazztage bieten exzellente Musik mit internationalen Künstlern

Mit einem Konzert auf der Landesgartenschau starteten die 17. Görlitzer Jazztage.

Am 30. Mai geht es in Görlitz am „Unerhörten Ort“ los, mit State of Monc: Hier wird Akustisches und Elektronisches zur genialen Melange aus Jazz und tanzbaren Clubsounds. Bespielt wird die „Basilika“, die nicht mehr genutzte Montagehalle des Waggonbaus in der Ch.-Lüders-Straße.

Freitag und Sonnabend (1. und 2. Juni), gibts die großen open-air Konzerte auf dem Fischmarkt mit jeweils drei Bands.

„Freude an authentischer Live-Musik, Neugierde und nicht zuletzt das entspannte Zusammensein mit Freunden und Familie werden auch die 17. Jazztage zu einem Festwerden lassen, an das man ebenso lang wie gern zurückdenkt“, versichert Christoph Brixner. Besonders stolz sind die - übrigens rein ehrenamtlich tätigen - Macher vom Veranstalterverein Kulturzuschlag, die Ausnahmemusiker Shez Raja aus Großbritannien und Omar Hakim aus den USA präsentieren zu dürfen. Hier wird Weltklasse-Musik zum erschwinglichen Preis (Vorverkauf nutzen!) garantiert. Andernorts kostet ein Einzelkonzert dieses Trios gerne auch mal um die 40 Euro, wofür man bei den Görlitzer Jazztagen bereits ein komplettes Festivalticket für alle Konzerte, einschließlich der Sonderkonzerte, erhält. Ermöglicht wird dies durch eine Mischfinanzierung, die sich zu jeweils etwa einem Drittel aus Eintrittsgeldern, Fördergeldern und Sponsoring durch Firmen bzw. Spenden von Privatpersonen zusammensetzt.

Der nicht ganz einfache alljährliche Spagat, Spitzenkünstler nach Görlitz zu holen und trotzdem günstige Preise anbieten zu können, soll auch dieses Jahr gelingen und so hoffen die Leute von Kulturzuschlag e.V. auf möglichst zahlreichen Besuch und musikbegeisterte, freundliche Unterstützung der Wettergötter...

Das letzte (Club-)Konzert am Stammdomizil Görlitz bietet am 3. Juni Ungewöhnliches aus Deutschland, Österreich und Finnland. „Die Glorreichen Sieben“ vertonen wildcharmant Westernklassiker von Ennio Morricone & Co. In der Jakobstr. 5, im ehemaligen Atelier des Fotographen Neuse, läuft dieser Abend unter dem Titel „stillgelegt_lautgestellt“...

Foto: Ag
Am 1.Juni auf dem Fischmarkt: The KutiMangoes. Foto: Ag


Sächsische Zeitung vom 26./27. Mai 2012

Stings Trommler

Omar Hakim hat mit den Größten aus Pop und Jazz musiziert. Jetzt spielt er bei den Görlitzer Jazztagen.

Von Frank Seibel

Es war so eine E-Mail, wie sie zu Dutzenden ankommen bei Friedemann Dreßler. Eine Musikagentur hatte mal wieder im weltweiten Netz gegoogelt und war bei ihm gelandet, in Görlitz. Zwanzig solcher Anfragen landen wöchentlich beim Organisator der Görlitzer Jazztage. Diese eine kam aus Amerika - und sie beschert den 17. Jazztagen, die am kommenden Mittwoch beginnen, einen wirklich herausragenden Künstler: Omar Hakim. Jazz-Fans denken an Wayne Shorter und an Weather Report, für die Omar Hakim getrommelt hat. Wer von Jazz keine Ahnung hat, wird den 53-jährigen Musiker aus New York dennoch höchstwahrscheinlich schon einmal gehört haben. In einem Stück von Peter Gabriel, der Dire Straits oder von Sting.

Omar Hakim ist einer der virtuosesten und vielseitigsten Schlagzeuger der Welt. Am Freitagabend spielt er auf dem Fischmarkt in der Görlitzer Altstadt mit dem „Trio of Oz“ Klassiker aus Jazz und Pop der vergangenen drei Jahrzehnte.

Die Anfrage der amerikanischen Agentur in Görlitz war eher Routine. Dass es tatsächlich klappt mit dem Konzert, ist auch einem glücklichen Umstand zu verdanken. Der Musikagent aus Amerika stammt aus der Schweiz, hat einige Jahre in Bautzen gelebt und dabei auch Görlitz kennen gelernt.

Das „Trio of Oz“ startet am Freitag zur besten Zeit, um 21 Uhr. Doch dem kunstvollen Spiel von Schlagzeug, Klavier und Bass folgt noch ein temperamentvolles Finale der dänischen Band „The KultiMangoes“ mit Jazz, Folk und Afro-Beats. Jazzkonzerte unter freiem Himmel brauchen das. sagt Friedernann Dressler: Temperament, Tempo, Tanz. Das ist in der Tat ein Erfolgsrezept dieser Jazztage. die der kleine Verein ,,Kulturzuschlag“ ehrenamtlich organisiert. Prall und bunt ist das Programm. Neulinge sind dabei und alte Hasen, klassischer Jazz und Spielereien mit Elektronik. Traditionen und Experimente. So werden auch jene Musikfreunde verwöhnt, die es mit dem Jazz sonst nicht so haben.

Die erinnern sich vielleicht noch an Jimi Hendrix und Led Zeppelin und werden sich am Sonnabend wundern, dass man deren von Gitarren geprägte Musik auch auf einem Bass spielen kann. Krzysztof Scieranski heißt der polnische Virtuose, der das am 2. Juni ab 20.50 Uhr vormacht. Auch Shez Raja aus England ist Bassist, doch er läutet am Sonnabend die Party-Time ein, wenn er Reggae und afrikanische Rhythmen anschlägt. Friedemann Dreßler freut sich auf all das, klar. Aber besonders gespannt ist er aufs Konzert zum Auftakt am Mittwoch. Mit einer Basilika vergleicht er die Ruine einer alten Fabrikhalle auf dem ehemaligen Waggonbaugelände. In der Reihe „Unerhörte Orte“ spielen dort am 30. Mai ab 20 Uhr ,,State of Monc“ aus Holland einen modernen Jazz, der viele elektronische Klangfarben auf einen Grund aus Tanzrhythmen setzt. Das, sagt Friedemann Dreßler, wird ein interessanter Kontrast zum morbiden Charme der „Basilika“ aus Backstein werden, an deren Säulen sich wilder Wein und junger Farn begegnen.

Mehr als Rhythmus - Musik! Omar Hakim ist einer der besten Schlagzeuger der Welt. Am Freitag spielt er in Görlitz.
Mehr als Rhythmus - Musik! Omar Hakim ist einer der besten Schlagzeuger der Welt. Am Freitag spielt er in Görlitz.


Sächsische Zeitung vom 01. Juni 2012

Jazziges Farbenspiel

Foto: Nikolai Schmidt

Zum Auftakt der Jazztage 2012 in Görlitz haben am Mittwochabend die Niederländer "State of Monc" in der alten Montagehalle des Waggonbaus an der Christoph-Lüders-Straße gespielt. Heute und morgen finden die Jazztage von 20 bis 24 Uhr auf dem Fischmarkt statt. Dann sind DD Connection, The Trio of OZ aus den USA und die dänischen KutiMangoes sowie 105LenzKubachJohnson, Krzysztof Scieranski & The Colors aus Polen und Shez Raja Collective aus Großbrittannien zu hören. Am Sonntagmorgen, ab 0.30 Uhr, gibt es die Jamsession in der Vierradenmühle.

Foto: Nikolai Schmidt


Sächsische Zeitung vom 04. Juni 2012

Wenn der Weltstar den Nachwuchs hätschelt

Omar Hakim zaubert bei den Jazztagen auf dem Fischmarkt und bezaubert die jüngsten Musiker.

VON FRANK SEIBEL

Es sah schon nach einer Katastrophe aus: Regen wie aus Kübeln und Temperaturen im Sturzflug. Aber pünktlich zum ersten Akkord war alles gut. Mit zwei famosen Konzerten auf dem gut besuchten Fischmarkt erlebten die 17. Jazztage in Görlitz ihren Höhepunkt.

Zweimal vier Stunden Musik vom Feinsten, und die Musikschule diente einmal mehr als Künstlergarderobe für echte Weltstars. Der grandiose Schlagzeuger Omar Hakim aus New York setzte am Freitagabend wie erwartet mit seinem „Trio of OZ“ einen absoluten Glanzpunkt. Der Musiker, der schon mit Sting, den Dire Straits und Peter Gabriel in der Welt des Pop unterwegs war, schaffte es sogar, den Besucher-Schwerpunkt etwas zum Freitag hin zu verschieben. Der ganz Große hatte hinter den Kulissen sogar ein paar Minuten Zeit für die ganz „Kleinen“, die vor ihm das Jazzfest eröffnet hatten: Ein dickes Lob und Schulterklopfen für die zwölf- bis 19-jährigen Nachwuchsjazzer der „DD Connection“, die beim Wettbewerb „Jugend jazzt“ ihren Auftritt in Görlitz als Siegprämie gewonnen hatten.

Um dem Nachwuchs weiterhin eine Bühne bieten zu können, wollen die Organisatoren vom Kulturzuschlag-Verein auch künftig drei Auftritte pro Abend anbieten, sagte Vereinschef Friedemann Dreßler. Der Dreierschlag garantierte auch diesmal große Vielfalt, bis hin zur funkigen jazzrock-Welttournee von Shez Raja aus London zum Abschluss des zweiten Abends.

Foto: Nikolai Schmidt
Das macht Laune: Omar Hakim trommelte sich am Freitag auf dem Fischmarkt in die Herzen der Jazzfans. Mit seinem „Trio of OZ“ war er ein Glanzlicht bei den Jazztagen.
Foto: Nikolai Schmidt