Pressespiegel Vorjahre - Jazztage Görlitz

Pressespiegel Vorjahre


... die Jazztage vor 1999 im Spiegel der Presse


Sächsische Zeitung vom 02.06.1998

Landskron-Jazztage 

„Ihr braucht nicht zu gehen, wenn der Strom weg ist, wir singen so weiter”

Etwa 10000 Fans erlebten am Pfingstwochenende zwischen Freitagabend und Sonntag nacht das größte Jazz-Spektakel in der Lausitz 

Von Kerstin Fiedler 

Nein, das hat niemand verdient. Weder die Veranstalter, noch die Zuschauer. Weder die Gewittergüsse, noch der Stromausfall waren planmäßig, ist ja klar. Doch was die Veranstalter fast zur Verzweiflung trieb, nahm die Mehrzahl der Besucher mit Gelassenheit auf. Alles Gute ist eben nie beisammen - auch nicht beim größten Jazz-Spektakel in der Lausitz, den Landskron-Jazztagen. Eröffnung mit Verspätung „Da braucht Görlitz zu den Pfingsttagen eben jeden Tag zwei Stunden mehr”, sagte Sonja Schilg von der Brauerei, als am Freitag plötzlich der Strom ausfiel. Fieberhaft wurde nach dem Fehler gesucht. Selbst am Sonntag war man sich noch nicht einig, ob an einer Leitung der Esag oder bei den Stadtwerken der Fehler lag. Die Kollegen der Elektroenergieanl GmbH jedenfalls buddelten noch am Sonntag in der Erde, um den Fehler zu beheben. Höhepunkt am Freitag Doch gegen 21.45 Uhr ging es am Freitag dann offiziell los. Allerdings zunächst nicht sehr lange, denn der Strom-Fehler war eben noch nicht gefunden. Dadurch hatte Pa-Que einen relativ kurzen Auftritt, denn die Musiker hatten Zeitzwang, sie mußten nach Berlin zurück. In der Zwischenzeit diskutierten Besucher die Eintrittspreise. „20 Mark, das ist ganz schön viel”, war immer wieder zu hören. Die Veranstalter erklären: „Die Karte für Freitag galt doch auch für Sonnabend und Sonntag. Und Jocelyn B. Smith kostet sonst im Konzert 50 und mehr Mark. Irgendwie müssen wir das ja finanzieren.” Richtig, doch das hätte auch vorher erklärt werden können. So blieb für die Einlaßkräfte nur zu konstatieren, daß es immer wieder Leute gab, die versuchten, ohne Eintrittskarte ins Festgelände zu kommen. Was aber dann die Ausharrenden am Freitag erlebten, war ein Feuerwerk an Temperament und Stimme. Die großartige Sängerin kündigte gleich zu Beginn an: „Ihr braucht nicht zu gehen, wenn der Strom wieder weg ist. Dann singen wir mit Drums und Akustik-Gitarre so weiter.” Und als ob sie es geahnt hat, weitere fünf Minuten gab es keinen „Saft” für die Bühne. „Have you ever seen the ram” kam a capella rüber, und die Zuschauer sangen begeistert mit. Über zwei Stunden verstand es Jocelyn B. Smith, das Publikum zu begeistern. Angebote auch in der Stadt Wer am Sonnabend vormittag in der Straßburg-Passage verweilte, der hatte gute Chancen, eine „gemischte Truppe” zu erleben. Marcus Dixie Jazzband aus Breslau war nicht lange allein. „Märsche, Volksmusik und Dixie” bietet „Cisaranka” aus dem böhmischen Usti nad Labem. Die Männer in den Uniformen waren allerdings nicht zu den Jazztagen gekommen, sie unterstützten die Biwak-Kämpfer. Und was konnte den Uniformierten mehr helfen, als ein nochmaliger Hinweis auf das Ereignis am Sonnabend. Dixie verbindet eben. Was nicht so sehr angenommen wurde, das war die Jazznacht nach 24 Uhr in der Vierradenmühle. Anscheinend waren die Jazz-Liebhaber dann doch zu müde. Am Sonnabend fand sich gegen 2 Uhr nur noch ein Häufchen Häufchen Unermüdlicher dort bei der Münchener Gruppe Blue Elephant Club.


Sächsische Zeitung vom 28.05.1998

Von Soul bis Swing

Festival beginnt morgen auf dem Untermarkt 

Von Petra Stamm 

„Über Grenzen gehen” - das ist das Motto der Jazztage Görlitz vom 29. bis 31. Mai. Sie haben 15 Bands aus elf Ländern dazu eingeladen. Und auch die stilistische Bandbreite kennt kaum Grenzen. Die Akzente liegen auf dem Soul-Jazz, andere Richtungen wie Latinund Afro- Jazz, Jazz-Funk und Swing kommen aber nicht zu kurz. Die herausragendste Stimme wird vielleicht Jocelyn B. Smith sein, die unter anderem den Titelsong von „Der König der Löwen” gesungen hat. Abklatsch vom Dresdner Dixieland-Festival mögen die Görlitzer Jazztage nicht sein. Die Veranstalter setzen auf die Wirkung der Musik in der sonst so stillen Altstadt. „Wenn Passanten dann zufällig vorbeikommen und sich sagen: Ach, da hören wir mal rein - ideal”, sagt Friedemann Dreßler, Vorsitzender des Görlitzer Vereins Kulturzuschlag. Der Verein wird den gesamten Untermarkt für drei Tage zum Festgebiet erklären, zusätzlich laden drei Kneipen für Jazz nach Mitternacht ein. Falls es regnet, geht es in die Werkhalle der Brauerei. Nicht nur der Ort, auch die Preise sind volkstümlich: Die Wochenendkarte kostet 20, die Tageskarte für Sonnabend und Sonntag jeweils 5 Mark. „Ohne Sponsoren würde das nicht gehen”, so Dreßler. Engagiert haben sich hier besonders die heimische Brauerei, aber auch zahlreiche Privatpersonen. Außer Sach- und Dienstleistungen der Stadt gibt es keine öffentliche Förderung. Die Mitglieder des Kulturzuschlags e. V. sind selbst begeisterte Jazzfreunde. Seit fünf Jahren bringen sie in Görlitzer Clubs Kleinkunst und kleinere Live-Konzerte.


Sächsische Zeitung vom 20.05.1996

Gewitter machte Stimmung und Gästen nichts aus

1. Görlitzer Jazz Festival mit einer durchaus zufriedenstellenden Bilanz

Von Kerstin Fiedler

„Wochenend und Sonnenschein” - der Titel von den „Swinging Bluebirds” gegen 21 Uhr sollte wohl dem Wetter einen Hinweis darauf geben, was eigentlich zu diesem Festival erwartet wurde. Daß Petrus jedoch gegen 19.30 Uhr einen üblen Gewitterschauer über den Untermarkt jagte, dafür konnten weder der Veranstalter Fremdenverkehrsverein, noch Organisatoren und Mitwirkende etwas. Und die Besucher dieser Veranstaltung wußten das wohl, denn viele versuchten sich vor der Nässe zu schützen, indem sie die Kolonnaden aufsuchten oder sich unter die Bierzelt-Sonnenschirme flüchteten, damit sie weiter das Programm verfolgen konnten. Bis zu diesem Nässeeinbruch waren bereits die ersten interessanten Gruppen aufgetreten. Ob die mittlerweile in Görlitz nicht mehr unbekannte „Swingtime”-Truppe, die mit Titeln der 20er bis 50er Jahre jetzt schon ein richtiges Konzertprogramm aufzuweisen hat, oder die Zgorzelecer „BaBaTeTe”, die mit ihrem Afro-Funk-Jazz für viel Spaß sorgten. Etwas gemäßigt war dann der Auftritt des Johanneums Hoyerswerda. Die Schülerinnen und Schüler der 5. bis 11. Klasse des evangelischen Gymnasiums nutzten dieses Festival dazu, einmal vor einem größeren Publikum aufzutreten. Das Repertoire - vor allem die verschiedenen Gospels - ist sicher nicht schlecht, aufgrund der nicht vorhandenen Stimmgröße der noch recht jungen Sängerinnen und der fehlenden Mikrofon-Erfahrung aber teilweise ermüdend. Trotzdem ein Farbtupfer im Programm, noch zumal der Hoyerswerdaer Bläserkreis die Ruhe zu durchbrechen vermochte. Mit „Just Brass”, einem 1991 von Studenten der Musikhochschule gegründeten Ensemble, das sich vor allem auch dem klassischen Jazz verschrieben hat, hätte es stimmungsvoller werden können. Mit den doch mehr „gemäßigten” Titeln schien man jedoch mehr den Regen anzulocken. Nach dem stimmungsgeladenen Gewitter auch ein Stimmungsumschwung bei Musikern und Besuchern. Jeder, der nach dem Regen nicht mehr beim Jazz Festival weilte, kann nur bedauert werden, denn die „Swinging Bluebirds”, eine aus Amateurmusikern gegründete Jazzband, die vor allem die Musik der 20er Jahre perfekt rüberbrachte. Übrigens war das die einzige Band, die auch eine Dame vorzuweisen hatte. Und das immerhin charlestonmäßig gekleidet am Schlagwerk. Die Musiker hatten dann auf alle Technik verzichtet, um unter dem schützenden Zeltdach ein wahres Feuerwerk an Stimmung zu entfachen. Als dann gegen 22 Uhr das wenige Licht im Zelt erlosch und die Taschenlampen aufleuchteten, kam dann der Zuschauerchor bei „Wochenend und Sonnenschein” zum Einsatz. Um Zugaben kamen die „Swinging Bluebirds” nicht herum, denn die Stromversorgung für das Klavier wurde schnell wiederhergestellt. Schade, daß es dann doch schon so spät war, als endlich die „Big Chicken Village Jazzband” aus (dem fast gleichnamigen) Großhennersdorf auftraten. Mit einer unbändigen Spielfreude waren sie eine ungemein angenehme Überraschung. Die Stimme des agilen Sängers war ein tolles „Zwischending” von Joe Cocker und Louis Armstrong. Wenn man dann noch weiß, daß sich die Herren erst im vorigen Jahr zusammengefunden haben, ist dies umso erstaunlicher. Den von einem Löbauer Tonstudio ausgeschriebenen Förderpreis des Festivals zur Aufnahme eines profimäßigen Demo-Tapes dürfte ihnen so ziemlich sicher sein. Einen interessanten Abschluß dieses Festivaltages bot dann die Vorführung des Films „Blues Brothers” auf Vorführtechnik aus den 30er Jahren. Der Sonntag sollte noch drei Gruppen auf der Bühne sehen, zwei waren allerdings nur angereist, und auch der Besucherstrom, der von Wolfgang Michel, Leiter des Fremdenverkehrsvereins, am Sonnabend als sehr positiv eingeschätzt wurde, hielt sich in Grenzen. Nichtsdestotrotz sollte sich wohl der Wunsch vom Schirmherren des Festivals, Oberbürgermeister Lechner, erfüllen, daß es eine Fortsetzung gibt.